Aktuelles und Termine

→ zum Veranstaltungskalender

Genau 5 Jahre nach der NRW-Broschüre "Regenbogenfamilie werden und sein" ist nun in einem Kooperationsprojekt des Queeren Netzwerk Niedersachsen (Abteilung "Lesbisch in Niedersachsen") und der Landeshauptstadt Hannover (Beauftragte für sexuelle und geschlechtliche Vielfalt) die "Grauzone Regenbogenfamilien. Eine Broschüre - nicht nur – für familienbezogenes Fachpersonal" entstanden. In ihr finden sich kompakt alle wesentlichen Informationen wie lesbische Frauen und schwule Männer Familie leben, jeweils ein Kapitel über rechtliche Fragen und Kinder in Regenbogenfamilien sowie eine Literaturliste.

Gedruckte Exemplare können unter Juliane.Steeger@hannover-stadt.de bestellt werden. Online ist die Broschüre hier zu lesen.

Schwerpunkt: Geschlecht und Recht

Die neue Ausgabe der "homo sum - Quartalsblatt für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt" des BBZ "lebensart" e.V. beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit rechtlichen Regelungen in Bezug auf das Geschlecht. Zu finden sind Berichte über die Interministerielle Arbeitsgruppe Inter- & Transsexualität der Bundesregierung und in deren Auftrag erstellte Gutachten. Diese kommen zu dem Ergebnis, dass geltendes Recht für trans- und intergeschlechtliche Menschen nicht den aktuellen grund- und menschenrechtlichen Standards entspricht und bieten Gesetzes- bzw. Regelungsvorschläge an. Abgerundet wird die "homo sum" mit einem Beitrag zum IDAHIT, Kurzberichten und einem aktuellen Queer-Guide für Sachsen-Anhalt.

Die Druckausgabe erschien am 11. Mai, online ist sie hier zu lesen.

Ab sofort können sich Interessierte in einem Inventarkatalog über den kompletten und aktuellen Bestand aller Bücher (Sachbücher, Belletristik, Kinderbücher etc.) informieren. Dieser liegt gedruckt in der Begegnungsstätte aus und ist online einsehbar. Bücherverleih und Bücheransicht ist Montag von 12 bis 18 Uhr sowie gern nach vorheriger Vereinbarung (Tel.: 0345-2023385, E-Mail: bbz@bbz-lebensart.de) möglich.

In den letzten Jahren ist eine Vielzahl von Veröffentlichungen zu Transidentität und transgeschlechtlicher Menschen als Buch, Broschüre oder Film erscheinen. Diese können sowohl für trans*Menschen und Angehörige, für Fachkräfte und darüber hinaus am Thema Interessierte hilfreich sein. Wir möchten an dieser Stelle Broschüren empfehlen, die kostenfrei bei den Herausgebenden erhältlich und online zugänglich sind:
- vielbunt - queere Community Darmstadt e.V./AIDS-Hilfe Darmstadt e.V.: Trans*& Recht
- Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität dgti e.V.: Reformation für alle*. Transidentität/Transsexualität und Kirche

- Gerede e.V.: Trans* - Informationsbroschüre zum Thema Transidentität für Betroffene, Angehörige und Interessierte
- Jugendnetzwerk Lambda Bayern e.V.: Akzeptranz*. Arbeitshilfe für den Umgang mit transsexuellen Schüler*innen

Gutachten setzen Zeichen für Selbstbestimmung

Am 16. Februar 2017 nahm unser Mitarbeiter Ants Kiel auch am letzten und 4. Fachaustausch der Interministeriellen Arbeitsgruppe Inter- und Transsexualität in Berlin teil. Das Thema lautete "Geschlecht im Recht: gesetzliche Regelungsbedarfe zur Anerkennung und zum Schutz von geschlechtlicher Vielfalt". Dabei wurden zwei vom Bundesfamilienministerium beauftragte Rechtsgutachten vorgestellt und diskutiert.

Das von der Humboldt Universität zu Berlin erstellte Gutachten "Regelungs- und Reformbedarf für transgeschlechtliche Menschen" untersucht die Notwendigkeit, das inzwischen zu großen Teilen für verfassungswidrig erklärte Transsexuellengesetz zu reformieren beziehungsweise durch ein modernes Gesetz zu ersetzen. Das Gutachten evaluiert daher die Anwendung des Gesetzes in der Praxis, führt einen internationalen Rechtsvergleich durch und unterbreitet rechtliche Regelungsvorschläge.

Das vom Deutschen Institut für Menschenrechte (DIMR) erstellte Gutachten "Geschlechtervielfalt im Recht: Status Quo und Entwicklung von Regelungsmodellen zur Anerkennung und zum Schutz von Geschlechtervielfalt" evaluiert die Rechtsanwendung des im Personenstandsgesetz (§ 22 PStG) geregelten offenen Geschlechtseintrages: Kann ein Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstand ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen. Außerdem stellt das Gutachten im internationalen Rechtsvergleich die Frage, ob ein drittes festgelegtes Geschlecht im Personenstandsgesetz benötigt wird. Weiterhin werden Regelungsvorschläge zum Schutz und zur Anerkennung von Geschlechtervielfalt gemacht.

Beide Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass geltendes Recht für trans- und intergeschlechtliche Menschen nicht den aktuellen grund- und menschenrechtlichen Standards entspricht. Die Vorschläge sind so umfangreich, dass eine Zusammenfassung schwierig ist. Die Empfehlungen gehen in die Richtung entsprechender Gesetze in Malta, Argentinien bzw. nordeuropäischer Staaten.

Gut besuchter Neujahrsempfang am 19. Januar 2017

Die Mitarbeiter*innen des BBZ "lebensart" e.V. konnten zum traditionellen Neujahrsempfang am 19. Januar 2017 zahlreiche Vertreter*innen aus Politik und Gesellschaft begrüßen. So waren Abgeordnete des Landtages und Stadtrates, Vertreter*innen von kooperierenden Organisationen und weitere Interessierte gekommen, um sich über die Bilanz 2016 und Vorhaben für 2017 zu informieren.
Auf dem Neujahrsempfang wurden zum einen besorgniserregende Entwicklungen
zur Sprache gebracht. Das Schüren von Ressentiments gegen Minderheiten durch die AfD ist eine große Herausforderung für alle, die sich für eine offene Gesellschaft und Anerkennung von Vielfalt einsetzen.

2016 war für das BBZ "lebensart" e. V. und sein Fachzentrum aber auch ein erfolgreiches Jahr im Engagement gegen Diskriminierung, die Förderung von Akzeptanz und Stärkung des Selbstbewusstseins von LSBTI. Wir danken allen, die durch ihre Mitarbeit und Unterstützung diese starke Bilanz ermöglicht haben!

Unsere professionellen Angebote wurden 2016 stark nachgefragt. Beratungen wurden so häufig wie noch nie durchgeführt:

103 Beratungen gesamt (deutlicher Anstieg gegenüber den letzten Jahren)
- davon über die Hälfte mit Schwerpunkt Geschlechtsidentität/Transidentität (vor allem "Lotsen"-Beratung)
- davon 19 mit Schwerpunkt Sexuelle Orientierungen und Coming-out
- davon 7 mit Schwerpunkt Regenbogenfamilien
Die Aufklärungs- und Antidiskriminierungsarbeit konnte zum dritten Mal in Folge die Veranstaltungszahl von 100 überbieten. Die Zahlen für unser weiterhin einmaliges Bildungsangebot für Sachsen-Anhalt sprechen für sich:
105 Veranstaltungen mit 1684 Teilnehmenden
- davon 99 Veranstaltungen mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
- davon 6 Veranstaltungen mit Multiplikaktor*innen

Die komplette Bilanz und der Ausblick finden sich in der Pressemitteilung vom 27.01.2017.

Die neue Ausgabe der "homo sum - Quartalsblatt für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt" des BBZ "lebensart" e.V. beschäftigt sich neben der Bilanz 2016 und einem Ausblick auf 2017 mit dem Schwerpunkthema Sexualerziehung. Es werden Begriffe erklärt, unser sexualpädagogisches Angebot für Schulen und der Ko-Kreis HIV/STI-Prävention und Sexualpädagogik vorgestellt. Es gibt zudem Neues vom Projekt "Engagement - Schmiede" und einen Leserbrief. Abgerundet wird die "homo sum" mit einem aktuellen Queer-Guide für Sachsen-Anhalt.

Die neue Ausgabe ist hier online zu lesen.

Studie zu Einstellungen gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen

Zum Auftakt ihres Themenjahres "Gleiches Recht für jede Liebe" hat die Antidiskriminierungsstelle des Bundes am 12. Januar 2017 erste Ergebnisse einer Studie über die Einstellungen der Bevölkerung gegenüber Lesben, Schwulen und Bisexuellen vorgestellt. Im Oktober/November 2016 wurden dazu 2.013 Menschen ab 16 Jahren in Deutschland befragt. Die Studie wurde von Prof. Dr. Beate Küpper von der Hochschule Niederrhein unter Mitarbeit von Dr. Ulrich Klocke (Humboldt-Universität zu Berlin) und Carlotta Hoffmann (Hochschule Niederrhein) im Auftrag der Antidiskriminierungsstelle des Bundes durchgeführt.

  • 80,6 Prozent halten die Aussage, dass Homo- und Bisexuelle in Deutschland immer noch diskriminiert bzw. benachteiligt werden, für voll und ganz oder eher zutreffen.
  • 94,6 Prozent finden es "voll und ganz" bzw. "eher" gut, dass es einen gesetzlichen Schutz vor Diskriminierung wegen der sexuellen Orientierung gibt.
  • 82,6 Prozent stimmen der Aussage voll und ganz bzw. eher zu, Ehen zwischen zwei Frauen oder zwei Männern sollten erlaubt sein.
  • 89,6 Prozent stimmen dem Ziel zu, in Schulen Akzeptanz gegenüber homo- und bisexuellen Personen zu vermitteln.
Je mehr das Thema Homo- und Bisexualität ihren privaten Lebensbereich berührt, desto skeptischer äußern sich die Befragten:
  • relativ wenige empfänden es als "sehr" oder "eher" unangenehm, wenn Arbeitskollegen homosexuell sind (11,8 Prozent bei einer lesbischen Kollegin, 12,6 Prozent bei einem schwulen Kollegen).
  • hingegen sagen 39,8 Prozent der Befragten, es wäre ihnen "sehr" oder "eher" unangenehm zu erfahren, dass die eigene Tochter lesbisch ist; 40,8 Prozent, wenn der eigene Sohn schwul ist.
Auch die Sichtbarkeit homosexueller Paare in der Öffentlichkeit ist vergleichsweise vielen Befragten unangenehm:
  • 38,4 Prozent sehen es demnach nicht gern, wenn zwei Männer in der Öffentlichkeit ihre Zuneigung zeigen, etwa indem sie sich küssen.
  • 27,5 Prozent finden es unangenehm, wenn es sich um zwei Frauen handelt. Zum Vergleich: Ihre Zuneigung zeigende heterosexuelle Paare empfinden knapp 10,5 Prozent als unangenehm.
Offen abwertende Einstellungen gegenüber Homosexuellen werden nur von einer Minderheit geteilt:
  • 18,3 Prozent stimmen jedoch der Aussage "eher" bzw. "voll und ganz" zu, Homosexualität sei unnatürlich.

Link zu allen Ergebnissen der Studie

Die Äußerungen und Darlegungen der AfD Sachsen-Anhalt in den letzten Wochen und Monaten zum Anlass nehmend, will das Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität des BBZ "lebensart" e.V. einige Behauptungen aufgreifen und diesen die Fakten gegenüberstellen.

Behauptungen der AfD Sachsen-Anhalt und die Fakten

Unser Gründungs- und Ehrenmitglied Klaus-Dieter Dehnert ist am 24. Oktober im Alter von 70 Jahren verstorben.

Sein unermüdliches Engagement in der DDR im Arbeitskreis Homosexualität bei der Ev. Stadtmission und später im BBZ "lebensart" werden wir nie vergessen.

Seine stets an der Sache orientierte, engagierte und warmherzige Art waren kennzeichnend für seine außergewöhnliche Persönlichkeit. Klaus-Dieter, auch KDD genannt, war jemand, der für andere da war und sich nie in den Vordergrund geschoben hat.

Am 27. November 2016 nahmen wir mit einer Gedenkfeier Abschied von Klaus-Dieter Dehnert.

Motto: L(i)ebe die Vielfalt | Viele Veranstaltungen in Halle und Saalekreis

Bereits zum dritten Mal fanden in Deutschland die Hirschfeld-Tage statt. Das Motto sollte dabei nicht nur Leitspruch sein, sondern vor allem in Tagen wie diesen eine Aufforderung an alle - ein Appell an die Menschlichkeit. Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember 2016 wurde in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einem vielseitigen Veranstaltungsangebot an den Sexualwissenschaftler und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung Dr. Magnus Hirschfeld erinnert. Die Hirschfeld-Tage greifen zeitgeschichtliche und aktuelle Themen rund um die Lebenswelten von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen und queeren Menschen (LSBTIQ) auf und sollen sie unter anderem der breiten Öffentlichkeit näher bringen.

Für Halle (Saale) und Saalekreis war das BBZ "lebensart" e. V., neben dem Dornrosa e. V., der Hauptveranstaltungspartner der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Nach der Auftaktveranstaltung am 5. November in Erfurt fand in Halle und dem Saalekreis ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm mit spannenden Lesungen, Vorträgen, Workshops, Ausstellungen und Fortbildungen statt. Das BBZ "lebensart" e.V. organisierte mit verschiedenen Kooperationspartner*innen 19 Veranstaltungen.

Komplettes Programm BBZ "lebensart" e.V./Dornrosa e.V.

Weitere Informationen: http://mh-stiftung.de/hirschfeld-tage/

Erklärung des BBZ "lebensart": Gut bis Ungenügend

Nachdem im Jahre 2012 neue Rahmenrichtlinien für die Sekundarschulen in Kraft traten, werden derzeit neue Fachlehrpläne in den Gymnasien von Sachsen-Anhalt erprobt. Diese sind ein zentraler Baustein der Unterrichtsvorbereitung und -durchführung sowie der Erarbeitung von Schulbüchern. Das BBZ "lebensart" e.V., Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität, hat in den neuen Rahmenplänen recherchiert, inwieweit die Thematisierung der Vielfalt geschlechtlich-sexueller Identität erfolgt ist.
Die Ergebnisse der Recherche sind gut bis ungenügend. Positiv hervorzuheben ist der Lehrplan für Sozialkunde 10. Klasse. In anderen gibt es entweder keine Thematisierung oder Homosexualität wird abgekoppelt von Heterosexualität behandelt oder wie in Biologie zwischen Schwangerschaftsabbruch und sexuell übertragbaren Krankheiten platziert.

Stellungnahme | Rechercheergebnisse

Entscheidung des Bundesgerichtshofes - Beschwerde beim BVG

Wie Anfang August bekannt wurde, hat am 22. Juni 2016 der Bundesgerichtshof den Antrag von Vanja aus Niedersachsen auf einen Geschlechtseintrag "inter/divers" abgelehnt. Der Bundesgerichtshof erkennt zwar an, dass intergeschlechtliche Menschen mit den geläufigen Geschlechtern "Mann" und "Frau" nicht ausreichend beschrieben werden und bestätigt zudem, dass das Offenlassen der Geschlechtskategorie nach § 22 Abs. 2 PStG auch rückwirkend möglich ist. Allerdings sieht er damit das verfassungsmäßige Recht in der eigenen Geschlechtsidentität anerkannt zu werden als ausreichend gewürdigt an.

Die Kampagnengruppe Dritte Option (http://dritte-option.de/) hatte den Kläger durch verschiedene Vorinstanzen (Standesamt, Amtsgericht Hannover, Oberlandesgericht Celle) begleitet und gibt nun Unterstützung beim Einreichen einer Verfassungsbeschwerde beim Bundesverfassungsgericht.
Das Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität des BBZ "lebensart" e.V. plädiert für die Optionswahl des Geschlechtseintrages für intergeschlechtliche Menschen - die Möglichkeit der Eintragung als "Frau" oder "Mann", die Freilassung des Geschlechtseintrages aber auch die Option der Eintragung als "inter". Wie andere Menschen müssen Intersexuelle das Recht haben, in ihrer Geschlechtsidentität offiziell anerkannt zu werden.

In die Fachbibliothek des BBZ "lebensart" e. V. wurden kürzlich die Neuanschaffungen der letzten Monate eingepflegt. Sie stehen ab sofort zur Ausleihe zur Verfügung. Neu hinzu gekommen sind unter anderem:
- Michaela Katzer, Heinz-Jürgen Voß (Hg.): Geschlechtliche, sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung. Praxisorientierte Zugänge
- Clara Morgen: Mein intersexuelles Kind
-
Karoline Harthun: Nicht von schlechten Müttern
-
Jugendnetzwerk Lambda Bayern: Akzeptrans*. Arbeitshilfe für den Umgang mit transsexuellen Schüler_innen. Auflage 2015
- Karin Kallmaker: Und auf einmal ist es Liebe

-
James Dawson: How to be gay. Alles über Coming-out, Sex, Gender und Liebe
-
André Aciman: Ruf mich bei deinem Namen
- Götz Wienold: Manona. Roman einer Homophobie

-
Christopher Isherwood: Leb wohl, Berlin

Die Beschreibung und weitere neue Bücher finden sich hier.

In der Nacht zum 5. Juli 2016 wurde das BBZ "lebensart" e.V. durch einen Farbanschlag angegriffen und Fenster, Fassade sowie die Eingangstür mit schwarzer, klebriger Farbe besudelt. Es ist der massivste Angriff auf das Zentrum für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI) sowie deren An- und Zugehörige seit Vereinsgründung im Jahr 1990.
Wir verurteilen den Angriff auf das Schärfste!

Selbstverständlich werden wir unsere Arbeit gegen Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung und für die Akzeptanz verschiedener Lebensweisen im Bündnis mit anderen kontinuierlich fortsetzen. Unser Verein und das Fachzentrum bieten professionelle Beratungs- und Bildungsangebote für Sachsen-Anhalt und geben LSBTI und deren Zugehörigen einen geschützten Raum für Begegnung.

Der Vorstand und das Team des BBZ "lebensart" e. V. bedanken sich für die vielen aufmunternden Worte, die solidarische Anteilnahme und Angebote zur Unterstützung. Ein besonderer Dank geht an unseren Vermieter, der sich unverzüglich um die Beseitigung der Schäden gekümmert hat.

Studie der Universität Leipzig "Die enthemmte Mitte" veröffentlicht

In der am 15. Juni 2016 veröffentlichten Studie "Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland" zeigt sich, dass Islamfeindlichkeit, Sexismus und die Abwertung von Homosexuellen in den letzten beiden Jahren zugenommen haben. Die Universität Leipzig untersucht seit 2002 politische Einstellungen in Deutschland. Für die diesjährige Erhebung wurden im Frühjahr 2016 insgesamt 2.420 repräsentativ ausgewählte Personen befragt.

40 Prozent der Befragten finden es "ekelhaft", wenn sich gleichgeschlechtliche Paare in der Öffentlichkeit küssen. Der These, dass Homosexualität unmoralisch sei, stimmten ein Viertel der Befragten zu. 36 Prozent finden zudem, dass gleichgeschlechtlichen Paaren weiterhin das Ehe-Recht vorenthalten werden soll. Bei all diesen Fragen gibt es einen deutlichen Anstieg zu den vorherigen Erhebungen.

Das Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität des BBZ "lebensart" e. V. sieht die aktuellen Ergebnisse der Universität Leipzig und auch die Geschehnisse in Orlando mit großer Sorge. Es ist sehr traurig, dass viele Menschen Vielfalt nicht als Bereicherung, sondern als eine Bedrohung auffassen. Das Fachzentrum will und wird mit seiner Arbeit auch weiterhin dazu beitragen, dass nicht nur die Stadt Halle und Sachsen-Anhalt, sondern ganz Deutschland ein Ort der Vielfalt sein kann. Bildung und Aufklärung sind wichtige Säulen einer Kultur des Friedens und der Vielfalt. Mit unseren Angeboten für Schulen und andere Einrichtungen können wir gemeinsam etwas für mehr Akzeptanz und Weltoffenheit tun. Sprechen Sie uns an.

Foto: queer.de (*/** - Angaben aus Studien der Universität Bielfeld: Deutsche Zustände bzw. Fragile Mitte)

Link zu Studie: https://www.otto-brenner-shop.de/uploads/tx_mplightshop/Buch_Mitte_Studie_Uni_Leipzig_2016_OBS.pdf

Studie der Deutschen AIDS-Hilfe vorgestellt

Schwule und bisexuelle Männer sind erhöhten gesundheitlichen Risiken ausgesetzt, wenn sie unter Diskriminierung auf Grund ihrer sexuellen Orientierung leiden. Dies geht aus der Studie „Schwule Männer und HIV/Aids“ hervor, für die knapp 17.000 Männer 2013/2014 befragt wurden. Die Untersuchung zeigt einen deutlichen Zusammenhang zwischen Diskriminierung, psychischen Erkrankungen und HIV-Risiken. 15% der Studienteilnehmer hatten in den 12 Monaten vor der Befragung verbale oder körperliche Gewalt erfahren. Bei den 16-19-Jährigen waren es sogar 37 Prozent.

Die Abwertung, die mit Diskriminierungserfahrungen verbunden ist, wirkt sich negativ auf das Selbstwertgefühl aus. Drei Viertel der Befragten haben negative Einstellungen gegenüber Homosexualität verinnerlicht. Je stärker dies der Fall ist, desto höher sei die Wahrscheinlichkeit, dass homo- und bisexuelle Männer unter Depressionen und Angsterkrankungen litten und zu ungeschütztem Analverkehr und risikovollem Drogenkonsum neigten. Junge Schwule sind hiervon besonders betroffen.
Ulf Hentschke-Kristal vom Vorstand der Deutschen AIDS-Hilfe: „Wir brauchen deswegen nicht weniger, sondern mehr Aufklärung und Unterstützung sexueller Minderheiten schon in der Schule und Gleichberechtigung in allen Lebensbereichen. Nur eine Kultur der Vielfalt ist gut für die Gesundheit!“ Die Untersuchung zeigt aber insgesamt, dass das Schutzverhalten schwuler und bisexueller Männer weitgehend stabil ist.

https://www.aidshilfe.de/meldung/studie-diskriminierung-schwuler-maenner-erhoeht-hiv-risiko

Auf seiner Sitzung am 15. Februar 2016 wurden durch den Landesjugendhilfeausschuss Sachsen-Anhalt einstimmig "Leitsätze für Diversität in der Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalts" beschlossen. Das BBZ "lebensart" e. V. war als Fachorganisation in die Erarbeitung einbezogen. Die Leitsätze haben empfehlenden Charakter und sollen dazu beitragen, Differenzlinien und damit verbundene Benachteiligungen sowie Diskriminierungen bewusster wahrzunehmen. Gleichzeitig soll die Entwicklung konkreter einrichtungsbezogener Handlungsmodelle angeregt werden. Das nun vorliegende Dokument orientiert sich am Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und an den Dimensionen der Vielfalt nach Gardenswartz und Rowe: "4 Layers of Diversity".
Der Landesjugendhilfeausschuss fasste folgenden Beschluss:
1. Der Landesjugendhilfeausschuss nimmt die Leitsätze zur Kenntnis und leitet sie als Empfehlung an die örtlichen und freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe weiter.
2. Der Landesjugendhilfeausschuss wird in regelmäßigen Abständen die Leitsätze für Diversität sowie deren Umsetzung überprüfen sowie bei Bedarf Korrekturen oder Erweiterungen vornehmen.
(nach einem Bericht des KgKJH)
Link zum Dokument

BBZ "lebensart" begrüßt trotz einiger Leerstellen das Programm

Nachdem der Landtag von Sachsen-Anhalt im Januar 2015 einstimmig beschlossen hatte, die Landesregierung aufzufordern, ein rahmengebendes Aktionsprogramm für Sachsen-Anhalt zu erarbeiten, hat das Kabinett kurz vor Weihnachten 2015 ein solches Programm beschlossen. Es trägt den Titel "Aktionsprogramm für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTTI) in Sachsen-Anhalt". Das Programm umfasst 70 Maßnahmen in den Handlungsfeldern "Bildung und Aufklärung", "Öffentlicher Dialog", "Gewalt und vorurteilsmotivierte Kriminalität" sowie "Gesetzliche Grundlagen".

Das Aktionsprogramm wird vom BBZ "lebensart" e.V. ausdrücklich begrüßt. Neben exzellenten Kurz-Analysen zu verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen enthält das Programm viele konkrete Maßnahmen, die Akzeptanz befördern und Diskriminierungen abbauen können.
Wir verweisen aber auch darauf, dass im Maßnahmenkatalog konkrete Aussagen u. a. zu Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte, zu LSBTI-Schulaufklärungsprojekten sowie zur Profilierung und Förderung von LSBTI-Fachorganisationen fehlen. Wir fordern, dass das Programm finanziell untersetzt sowie die Umsetzung und Ergänzung zügig in Angriff genommen wird. Aktuell sollte z. B. der Fokus den in Überarbeitung befindlichen Fachlehrplänen für Gymnasien gelten. Leider finden sich im neuen Lehrplan für Deutsch kaum Literaturempfehlungen, bei denen LSBTI im Mittelpunkt stehen.

Link zum Aktionsprogramm

Eine Chronologie von den 1990er Jahren bis Mitte 2015

Dem Kabinettsbeschluss vom Dezember 2015 gingen seit Mitte der 1990er Jahre viele Aktivitäten in Sachsen-Anhalt voraus (zur Vorgeschichte und Handlungskatalog von 1999). Im Jahr 2011 fasste der Lesben- und Schwulenpolitische Runde Tisch Sachsen-Anhalt den Entschluss, einen Aktionsplan zu erarbeiten. Im darauf folgenden Jahr wurde ein Entwurf vorgelegt, der auf einer gut besuchten Fachkonferenz am 15. März 2013 in Magdeburg vorgestellt und diskutiert wurde. Nachdem einige Änderungen und Ergänzungen vorgenommen wurden, beschloss der Runde Tisch am 9. September 2013 einen "Gesamtgesellschaftlichen Aktionsplan für Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter* (LSBTI) und gegen Homo- und Transphobie in Sachsen-Anhalt".

Der Aktionsplan wurde an die Politik weitergeleitet. Die Landtagsfraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN legten bereits im Mai 2013 einen gemeinsamen Antrag zur Implementierung und Umsetzung eines Aktionsplanes vor. Die Beratungen zogen sich aufgrund der unklaren Zuständigkeiten hin. Im Herbst 2014 erfolgte eine Klärung: zuständig für die Themenfelder sind nun das Ministerium für Justiz und Gleichstellung sowie der Landtagsausschuss für Recht, Verfassung und Gleichstellung. Eine Anhörung zum Antrag fand am 23.04.2014 statt, bei der auch unser Verein eine Stellungnahme vortrug.

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hatte dann am 29. Januar 2015 einstimmig beschlossen, die Landesregierung aufzufordern, auf Grundlage des vom Lesben- und Schwulenpolitischen Runden Tisches erarbeiteten Aktionsplans ein sich auf alle Fachpolitiken des Landes beziehendes rahmengebendes Aktionsprogramm für Sachsen-Anhalt zu erarbeiten. Die angenommene Beschlussempfehlung findet sich hier: http://www.landtag.sachsen-anhalt.de/fileadmin/files/drs/wp6/drs/d3762vbe.pdf

Der Landtag konkretisierte damit einen entsprechenden Beschluss der Landesregierung vom Oktober 2014. Das Ministerium für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt hat im Mai 2015 Katharina Scholz als Referentin mit dem Schwerpunkt der Erarbeitung und Umsetzung eines Aktionsprogrammes für Akzeptanz von LSBTI eingestellt.

Unter den ankommenden Flüchtlingen gibt es auch lesbische, schwule, bisexuelle und/oder transgeschlechtliche Flüchtlinge, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung Schutz in Deutschland suchen. Die Verfolgung aufgrund der sexuellen bzw. geschlechtlichen Identität kann ein zusätzliches Motiv oder der Hauptgrund sein. Informationen in den wichtigsten Sprachen stehen jetzt online zur Verfügung.
Eine Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität ist laut der EU-Qualifikationsrichtlinie 2011/95/EU ein anerkannter Asylgrund.
Der LSVD ist bemüht, für die Flüchtlinge Informationen bereitzustellen und sie an geeignete Beratungseinrichtungen in der Nähe zu vermitteln.
Durch die Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist es gelungen, die Ratgeber ins Arabische zu übersetzen und die Übersetzungen in die Webseiten einzubinden.

Zu den Informationen gehören auch Ratgeber über das Asylverfahren, die der LSVD sowohl auf seiner Webseite http://www.lsvd.de/ als auch auf der Webseite http://www.queer-refugees.de/ bereitstellt.

Studie des Deutschen Jugendinstitutes vorgestellt

Am 6. November 2015 wurden im Bundesfamilienministerium Ergebnisse der bundesweiten Studie "Coming-out – und dann…?!", einem Forschungsprojekt des Deutschen Jugendinstitutes zur Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen, vorgestellt. Für die Untersuchung waren mehr als 5.000 junge Menschen im Alter von 14 und 27 Jahren befragt worden.

Ein zentrales Ergebnis ist, dass das innere Coming-out, also der Prozess der Bewusstwerdung und die Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität, häufig Jahre dauert und oft als belastend erlebt wird.
Viele LGBT-Jugendliche versuchen aus Sorge vor negativen Reaktionen ihrer Eltern und Geschwister, im Freundeskreis, in der Schule oder in der Ausbildung über einen längeren Zeitraum ihre "wahren Gefühle" zu unterdrücken oder zu verheimlichen.
Tatsächlich berichten viele der befragten Jugendlichen noch immer von Diskriminierungserfahrungen bis hin zu körperlicher Gewalt. So gaben rund zwei Drittel an, dass in ihrem engeren Familienkreis ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht ernst genommen worden sei.

Knapp 17 Prozent erklärten, sie seien von Familienmitgliedern beleidigt, beschimpft oder lächerlich gemacht worden, drei Prozent berichteten von Gewalt aufgrund ihres Coming-outs. An Bildungs- oder Arbeitsstätten ist sogar jeder zehnte Jugendliche nach dem Coming-out körperlich angegriffen oder verprügelt worden; mehr als die Hälfte wurde wegen der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität beschimpft.


In der Studie werden auch konkrete Lösungsansätze vorgestellt, um Jugendlichen das Coming-out zu erleichtern. Neben dem Zeigen realistischer Vorbilder in den Medien, einer besseren Ausbildung von Lehrkräften oder besseren Beratungsangeboten empfehlen die Autoren auch eine rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben, etwa durch Öffnung der Ehe.
(nach einem Bericht von queer.de)

Im kommenden Jahr soll eine Buchpublikation veröffentlicht werden. Erste Ergebnisse der Studie finden sich hier:

http://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2015/DJI_Brosch%C3%BCre_ComingOut.pdf

BBZ "lebensart" sieht trotz Mängeln Fortschritte für Akzeptanzförderung

Im Schulverwaltungsblatt des Landes Sachsen-Anhalt Nr. 4/2015 vom 20.4.2015 wurde ein neuer Runderlass zur "Sexualerziehung an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen" (RdErl. des MK vom 15.4.2015 – 26-82113) veröffentlicht. Dazu erklärt das BBZ "lebensart" e. V., Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität:
Nachdem seit dem Jahr 2009 der bislang gültige Runderlass aus 1996/1998 evaluiert und externer Sachverstand einbezogen wurde sowie die Herausgabe eines neuen Runderlasses für 2013 angekündigt war, ist die Veröffentlichung nun überfällig.
Stefan Fiebig vom Vorstand des BBZ "lebensart" e. V. stellt fest:
"Positiv zu bewerten ist die Hervorhebung der Zusammenarbeit der Schule mit dem familiären Umfeld der Kinder, die Thematisierung der Medien und die explizite Empfehlung der Einbeziehung schulexterner Expert*innen. Ambivalent ist der Abschnitt zur geschlechtlich-sexuelle Identität zu betrachten. Inter- und Transgeschlechtlichkeit im gleichen Atemzug wie Homosexualität und andere sexuelle Orientierungen zu nennen, ist inhaltlich falsch. Sie gehören in den Kontext von Geschlechtsentwicklung und -identität.
Außerdem wird anhand der Formulierungen im Runderlass deutlich, dass eine dichotome Geschlechterordnung postuliert wird. Es ist von "Schülerinnen und Schülern, Jungen und Mädchen" u.s.w. die Rede. Dabei werden Menschen, die biologisch und/oder psycho-sozial nicht eindeutig männlich oder weiblich sind oder sich nicht im dualen Geschlechtersystem verorten lassen wollen, völlig außer Acht gelassen."
Ants Kiel, Diplom-Pädagoge und Mitarbeiter des BBZ "lebensart" e. V. erklärt:
"Aspekte wie die Einbettung in einen weiten Gesundheitsbegriff, die Darstellung von Sexualität als eine positive Lebensenergie sowie das sexualpädagogische Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung wurden ausgebaut. Die Überbetonung von AIDS im zweiten Kapitel und die fehlende Berücksichtigung aktueller Entwicklungen zu HIV/STI sowie der Entschluss, kein eigenständiges Kapitel zu geschlechtlich-sexueller Identität zu verfassen, sind fragwürdig. Die Aussagen zu Geschlecht, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung bedeuten trotz Mängeln einen Fortschritt. Der Runderlass bietet eine Rahmenvorgabe, die Vielfalt geschlechtlich-sexueller Identitäten altersgerecht in verschiedenen Unterrichtsfächern zu behandeln, um Diskriminierungen vorzubeugen und abzubauen sowie Akzeptanz zu fördern."
Aktuelle Studien sowie unsere Erfahrungen belegen, dass sich Schulen mit den von uns angebotenen Kernthemen schwer tun - sei es aus Überforderung, Unsicherheit oder mangelnder Kompetenz. Der überarbeitete Runderlass bietet eine brauchbare Grundlage, Homo-, Trans-und Interphobie abzubauen sowie qualifizierte Angebote freier Träger in Schulklassen und die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften einzubeziehen.
Mit der Bildungsarbeit verfügt das BBZ "lebensart" über attraktive externe Angebote für Schüler*innen und Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt, welche fachliche Kompetenz, Qualitätsstandards, Authentizität und ständige Evaluation in sich vereinen.

Parlamentarische Versammlung des Europarates: Resolution zu Rechten von Trans*

Das am 1. April 2015 vom Parlament in Malta beschlossene "Gesetz über Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und Geschlechtsmerkmale" erlaubt den Einwohner*innen die rechtliche Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität ohne vorherige medizinische Diagnose, Behandlung oder Operationen sowie ohne Zwangsscheidungen.
Anders als Dänemark, das letztes Jahr als erstes europäisches Land die Namens- und Personenstandsänderung ohne medizinische Interventionen erlaubte, gibt das maltesische Gesetz hierfür kein Mindestalter und auch keine Wartezeit vor. Zudem enthält es ein Verbot von Operationen an intersexuellen Babys oder Kindern. Sie dürfen erst dann operativ einem Geschlecht zugeordnet werden, wenn sie ihr Einverständnis geben können. Damit ist Malta laut der International Lesbian and Gay Association das erste Land der Welt, das ein solches Verbot gesetzlich verankert.

Am 22. April 2015 hat sich die Parlamentarische Versammlung des Europarates mit deutlicher Mehrheit für die Durchsetzung und den Schutz der Rechte von Trans*-Personen ausgesprochen. In der Resolution fordert das Parlament von den Mitgliedsstaaten ein ausdrückliches Verbot der Diskriminierung von Trans*-Menschen sowie umfassende Maßnahmen, um deren Lebensbedingungen zu verbessern. Zu diesen gehöre, dass Personen "schnell und transparent" eine Änderung der Geschlechtsangabe und des Namens in offiziellen Dokumenten vornehmen lassen können. Dieses Verfahren solle allein auf der selbstbestimmten Entscheidung der jeweiligen Person beruhen - ohne Zwang zu vorherigen psychologischen Begutachtungen, medizinischen Behandlungen oder Operationen. Die Regierungen der Mitgliedsstaaten sollen dabei auch die Möglichkeit zur Eintragung eines dritten Geschlechts in Betracht ziehen.

Des Weiteren sollen Mitgliedsstaaten dafür sorgen, dass Trans*-Personen, einschließlich Kinder, durch nationale wie internationale medizinische Klassifizierungen nicht mehr als psychisch krank eingestuft werden. Dennoch müsse zugleich die Möglichkeit zur medizinischen Behandlung bestehen. Nicht zuletzt ruft das Parlament die Regierungen dazu auf, sich mit Kampagnen zum Abbau von Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität an die Öffentlichkeit zu wenden. Alle weiteren Informationen: http://blog.aidshilfe.de/2015/04/23/historische-resolution-fuer-die-rechte-von-trans-personen-verabschiedet/

Homosexualität: natürliche Orientierung, die keiner Therapie bedarf

Zum einem Zeitpunkt, wo über die Kontoverse zum Bildungsplan in Baden-Württemberg Vorurteile und Ressentiments gegenüber geschlechtlich-sexueller Vielfalt öffentlich Raum greifen, in der durch einen Verein in Sachsen-Anhalt Angebote zur "Heilung" von Homosexualität gemacht werden und in der in Russland nicht-heterosexuelle Lebensweisen offiziell verpönt und geahndet werden, ist eine Stellungnahme des Weltärztebundes von einiger Bedeutung.

Im Deutschen Ärzteblatt Ausgabe 2014, 111(6) gibt die Oberärztin an der Charité Berlin, Dr. med. Lieselotte Mahler (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Vorsitzende des DGPPN-Referats "Sexuelle Orientierung in Psychiatrie und Psychotherapie") erläuternde Ausführungen zur der auf der Generalversammlung im Oktober 2013 verabschiedeten Stellungnahme, die eine ärztlich-ethische Richtlinie darstellt.

Die zentrale und eindeutige Aussage lautet: Homosexualität gehört zur natürlichen sexuellen Orientierung und bedarf keiner Therapie.
Zudem wird aufgezeigt, dass direkte und indirekte Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung häufige Ursachen für psychische und physische Erkrankungen sind. Weiterhin lehnten die Delegierten des Weltärztebundes sogenannte Reparations- oder Konversionstherapien, also "Therapien", die ein heterosexuelles oder asexuelles Verhalten zum Ziel haben, strikt ab. Diese seien nicht nur unwirksam und unethisch, sondern hätten gravierende Negativfolgen für die Gesundheit.

Der Artikel von Frau Dr. Mahler und ein Link zur Stellungnahme findet sich hier:
http://www.aerzteblatt.de/archiv/153986/Sexuelle-Orientierung-Variationsvielfalt-jenseits-der-Pathologie