Aktuelles und Termine

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Mit Beiträgen u. a. zur Bi- und Pansexualität und Konferenz zu Trans*

Anfang Mai 2016 ist die Druck-Ausgabe der "homo sum - Quartalsblatt für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt" für das II. Quartal erscheinen. In ihr finden sich ein Fachbeitrag zur Bi- und Pansexualität, ein Artikel über die Frankfurter Konferenz zur Transsexualität und die Geschichte einer jungen Erwachsenen, Beiträge zum Ehrenamt, Fragen zum LSBTTI-Aktionsprogramm sowie ein aktueller Queer-Guide für Sachsen-Anhalt.

Wir stellen online die aktuelle Ausgabe zum Lesen zur Verfügung:
http://www.bbz-lebensart.de/CMS/uploads/homosum_0216_web.pdf

Auf seiner Sitzung am 15. Februar 2016 wurden durch den Landesjugendhilfeausschuss Sachsen-Anhalt einstimmig "Leitsätze für Diversität in der Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalts" beschlossen. Das BBZ "lebensart" e. V. war als Fachorganisation in die Erarbeitung einbezogen. Die Leitsätze haben empfehlenden Charakter und sollen dazu beitragen, Differenzlinien und damit verbundene Benachteiligungen sowie Diskriminierungen bewusster wahrzunehmen. Gleichzeitig soll die Entwicklung konkreter einrichtungsbezogener Handlungsmodelle angeregt werden. Das nun vorliegende Dokument orientiert sich am Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und an den Dimensionen der Vielfalt nach Gardenswartz und Rowe: "4 Layers of Diversity".
Der Landesjugendhilfeausschuss fasste folgenden Beschluss:
1. Der Landesjugendhilfeausschuss nimmt die Leitsätze zur Kenntnis und leitet sie als Empfehlung an die örtlichen und freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe weiter.
2. Der Landesjugendhilfeausschuss wird in regelmäßigen Abständen die Leitsätze für Diversität sowie deren Umsetzung überprüfen sowie bei Bedarf Korrekturen oder Erweiterungen vornehmen.
(nach einem Bericht des KgKJH)
Link zum Dokument

BBZ "lebensart" begrüßt trotz einiger Leerstellen das Programm

Nachdem der Landtag von Sachsen-Anhalt im Januar 2015 einstimmig beschlossen hatte, die Landesregierung aufzufordern, ein rahmengebendes Aktionsprogramm für Sachsen-Anhalt zu erarbeiten, hat das Kabinett kurz vor Weihnachten 2015 ein solches Programm beschlossen. Es trägt den Titel "Aktionsprogramm für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTTI) in Sachsen-Anhalt". Das Programm umfasst 70 Maßnahmen in den Handlungsfeldern "Bildung und Aufklärung", "Öffentlicher Dialog", "Gewalt und vorurteilsmotivierte Kriminalität" sowie "Gesetzliche Grundlagen".

Das Aktionsprogramm wird vom BBZ "lebensart" e.V. ausdrücklich begrüßt. Neben exzellenten Kurz-Analysen zu verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen enthält das Programm viele konkrete Maßnahmen, die Akzeptanz befördern und Diskriminierungen abbauen können.
Wir verweisen aber auch darauf, dass im Maßnahmenkatalog konkrete Aussagen u. a. zu Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte, zu LSBTI-Schulaufklärungsprojekten sowie zur Profilierung und Förderung von LSBTI-Fachorganisationen fehlen. Wir fordern, dass das Programm finanziell untersetzt sowie die Umsetzung und Ergänzung zügig in Angriff genommen wird. Aktuell sollte z. B. der Fokus den in Überarbeitung befindlichen Fachlehrplänen für Gymnasien gelten. Leider finden sich im neuen Lehrplan für Deutsch kaum Literaturempfehlungen, bei denen LSBTI im Mittelpunkt stehen.

Link zum Aktionsprogramm

Eine Chronologie von den 1990er Jahren bis Mitte 2015

Dem Kabinettsbeschluss vom Dezember 2015 gingen seit Mitte der 1990er Jahre viele Aktivitäten in Sachsen-Anhalt voraus (zur Vorgeschichte und Handlungskatalog von 1999). Im Jahr 2011 fasste der Lesben- und Schwulenpolitische Runde Tisch Sachsen-Anhalt den Entschluss, einen Aktionsplan zu erarbeiten. Im darauf folgenden Jahr wurde ein Entwurf vorgelegt, der auf einer gut besuchten Fachkonferenz am 15. März 2013 in Magdeburg vorgestellt und diskutiert wurde. Nachdem einige Änderungen und Ergänzungen vorgenommen wurden, beschloss der Runde Tisch am 9. September 2013 einen "Gesamtgesellschaftlichen Aktionsplan für Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter* (LSBTI) und gegen Homo- und Transphobie in Sachsen-Anhalt".

Der Aktionsplan wurde an die Politik weitergeleitet. Die Landtagsfraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN legten bereits im Mai 2013 einen gemeinsamen Antrag zur Implementierung und Umsetzung eines Aktionsplanes vor. Die Beratungen zogen sich aufgrund der unklaren Zuständigkeiten hin. Im Herbst 2014 erfolgte eine Klärung: zuständig für die Themenfelder sind nun das Ministerium für Justiz und Gleichstellung sowie der Landtagsausschuss für Recht, Verfassung und Gleichstellung. Eine Anhörung zum Antrag fand am 23.04.2014 statt, bei der auch unser Verein eine Stellungnahme vortrug.

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hatte dann am 29. Januar 2015 einstimmig beschlossen, die Landesregierung aufzufordern, auf Grundlage des vom Lesben- und Schwulenpolitischen Runden Tisches erarbeiteten Aktionsplans ein sich auf alle Fachpolitiken des Landes beziehendes rahmengebendes Aktionsprogramm für Sachsen-Anhalt zu erarbeiten. Die angenommene Beschlussempfehlung findet sich hier: http://www.landtag.sachsen-anhalt.de/fileadmin/files/drs/wp6/drs/d3762vbe.pdf

Der Landtag konkretisierte damit einen entsprechenden Beschluss der Landesregierung vom Oktober 2014. Das Ministerium für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt hat im Mai 2015 Katharina Scholz als Referentin mit dem Schwerpunkt der Erarbeitung und Umsetzung eines Aktionsprogrammes für Akzeptanz von LSBTI eingestellt.

Unter den ankommenden Flüchtlingen gibt es auch lesbische, schwule, bisexuelle und/oder transgeschlechtliche Flüchtlinge, die vor Krieg, Gewalt und Verfolgung Schutz in Deutschland suchen. Die Verfolgung aufgrund der sexuellen bzw. geschlechtlichen Identität kann ein zusätzliches Motiv oder der Hauptgrund sein. Informationen in den wichtigsten Sprachen stehen jetzt online zur Verfügung.
Eine Verfolgung aufgrund der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität ist laut der EU-Qualifikationsrichtlinie 2011/95/EU ein anerkannter Asylgrund.
Der LSVD ist bemüht, für die Flüchtlinge Informationen bereitzustellen und sie an geeignete Beratungseinrichtungen in der Nähe zu vermitteln.
Durch die Förderung des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend ist es gelungen, die Ratgeber ins Arabische zu übersetzen und die Übersetzungen in die Webseiten einzubinden.

Zu den Informationen gehören auch Ratgeber über das Asylverfahren, die der LSVD sowohl auf seiner Webseite http://www.lsvd.de/ als auch auf der Webseite http://www.queer-refugees.de/ bereitstellt.

Angebote des BBZ "lebensart" e. V. verstärkt nachgefragt

Presseinformation vom 22.01.2016

Unsere Bildungsangebote gegen Diskriminierung aufgrund der geschlechtlich-sexuellen Identität und für die Akzeptanz von LSBTI sowie unser sexualpädagogisches Basisangebot werden von immer mehr Schulen und Einrichtungen in Anspruch genommen. Die Bilanz für 2015 kann sich sehen lassen - es sind inzwischen mehr als nur Tropfen auf heiße Steine auf dem Weg in eine Gesellschaft, die Vielfalt auch in Bezug auf Geschlechterrollen und -identität sowie sexuelle Orientierung anerkennt und wertschätzt.
Insgesamt 110 Veranstaltungen mit 1.694 Teilnehmenden konnten 2015 im Rahmen der Bildungsarbeit durchgeführt werden - mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen: 94 Veranstaltungen mit 1.504 Teilnehmenden, mit Multiplikator*innen und Erwachsenen: 16 Veranstaltungen mit 190 Teilnehmenden – bei 89 Veranstaltungen war ausschließlich bzw. phasenweise geschlechtlich-sexuelle Identität das Thema.
Ein ausführlicher Bericht findet sich hier: http://www.bbz-lebensart.de/CMS/uploads/Bericht_Bildungsarbeit_2015.pdf

Studie des Deutschen Jugendinstitutes vorgestellt

Am 6. November 2015 wurden im Bundesfamilienministerium Ergebnisse der bundesweiten Studie "Coming-out – und dann…?!", einem Forschungsprojekt des Deutschen Jugendinstitutes zur Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen, vorgestellt. Für die Untersuchung waren mehr als 5.000 junge Menschen im Alter von 14 und 27 Jahren befragt worden.

Ein zentrales Ergebnis ist, dass das innere Coming-out, also der Prozess der Bewusstwerdung und die Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität, häufig Jahre dauert und oft als belastend erlebt wird.
Viele LGBT-Jugendliche versuchen aus Sorge vor negativen Reaktionen ihrer Eltern und Geschwister, im Freundeskreis, in der Schule oder in der Ausbildung über einen längeren Zeitraum ihre "wahren Gefühle" zu unterdrücken oder zu verheimlichen.
Tatsächlich berichten viele der befragten Jugendlichen noch immer von Diskriminierungserfahrungen bis hin zu körperlicher Gewalt. So gaben rund zwei Drittel an, dass in ihrem engeren Familienkreis ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht ernst genommen worden sei.

Knapp 17 Prozent erklärten, sie seien von Familienmitgliedern beleidigt, beschimpft oder lächerlich gemacht worden, drei Prozent berichteten von Gewalt aufgrund ihres Coming-outs. An Bildungs- oder Arbeitsstätten ist sogar jeder zehnte Jugendliche nach dem Coming-out körperlich angegriffen oder verprügelt worden; mehr als die Hälfte wurde wegen der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität beschimpft.


In der Studie werden auch konkrete Lösungsansätze vorgestellt, um Jugendlichen das Coming-out zu erleichtern. Neben dem Zeigen realistischer Vorbilder in den Medien, einer besseren Ausbildung von Lehrkräften oder besseren Beratungsangeboten empfehlen die Autoren auch eine rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben, etwa durch Öffnung der Ehe.
(nach einem Bericht von queer.de)

Im kommenden Jahr soll eine Buchpublikation veröffentlicht werden. Erste Ergebnisse der Studie finden sich hier:

http://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2015/DJI_Brosch%C3%BCre_ComingOut.pdf

Für geschlechtliche Selbstbestimmung und Vielfalt!

Am 23. August 2015 gründeten in der Akademie Waldschlösschen Vertreter*innen aus 33 Vereinen, Initiativen und Gruppen sowie weitere Einzelpersonen aus dem gesamten Bundesgebiet den Bundesverband Trans* e.V.i.G. Der Bundesverband versteht sich als gemeinsame Interessenvertretung und Dach vielfältiger Vereine, Initiativen, Gruppen und Einzelpersonen, deren Anliegen es ist, die gesellschaftliche Situation von transgeschlechtlichen Personen in Deutschland zu verbessern.
Noch immer sind transgeschlechtliche Personen erheblichen sozialen, medizinischen und rechtlichen Benachteiligungen ausgesetzt. In einer Pressemitteilung wird betont, dass mit dem Bundesverband ein Ansprechpartner auf Bundesebene des Bundes geschaffen wurde, welcher den Anliegen transgeschlechtlicher Personen Gehör verschaffen und maßgeblich in Veränderungen besonders im rechtlichen und medizinischen Bereich einbezogen werden will. Die Entpathologisierung transgeschlechtlicher Lebensweisen ist endlich an der Zeit und entspricht auch der Resolution Nr. 2048 der Parlamentarischen Versammlung des Europarates vom 22.04.2015.

Kontakt: Bundesverband Trans * (BVT*) - Für geschlechtliche Selbstbestimmung und Vielfalt!, E-Mail: info@bundesverband-trans.de

Bestandteil der "homo sum" war bislang ein Adressindex, der viele Vereine, Gruppen und gastronomische Angebote umfasste. Diese Übersicht wurde nun von uns aktualisiert und erweitert. Der Queer-Guide umfasst vor allem für Sachsen-Anhalt eine komplette Übersicht für LSBTIQ relevante Angebote. Eine ständig aktualisierte Fassung findet sich hier.

Seit dem Jahr 2011 trug der Verein den Zusatznamen "Fachzentrum für sexuelle Identität". Der Begriff "Sexuelle Identität" bezieht allerdings nur im deutschsprachigen Raum und dort vor allem im Rechtsbereich die geschlechtliche Identität mit ein. Um nach außen noch deutlicher zu machen, dass auch Geschlecht und Identität (u.a. Intersexualität, Transidentität, Geschlechterrollen) Schwerpunkte unserer Angebote sind, hat sich der Vorstand entschieden, das von der Bildungsarbeit unseres Vereins entwickelte und gebrauchte (Begriffs-)Konzept zu übernehmen - ab sofort heißt es: Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität.

BBZ "lebensart" sieht trotz Mängeln Fortschritte für Akzeptanzförderung

Im Schulverwaltungsblatt des Landes Sachsen-Anhalt Nr. 4/2015 vom 20.4.2015 wurde ein neuer Runderlass zur "Sexualerziehung an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen" (RdErl. des MK vom 15.4.2015 – 26-82113) veröffentlicht. Dazu erklärt das BBZ "lebensart" e. V., Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität:
Nachdem seit dem Jahr 2009 der bislang gültige Runderlass aus 1996/1998 evaluiert und externer Sachverstand einbezogen wurde sowie die Herausgabe eines neuen Runderlasses für 2013 angekündigt war, ist die Veröffentlichung nun überfällig.
Stefan Fiebig vom Vorstand des BBZ "lebensart" e. V. stellt fest:
"Positiv zu bewerten ist die Hervorhebung der Zusammenarbeit der Schule mit dem familiären Umfeld der Kinder, die Thematisierung der Medien und die explizite Empfehlung der Einbeziehung schulexterner Expert*innen. Ambivalent ist der Abschnitt zur geschlechtlich-sexuelle Identität zu betrachten. Inter- und Transgeschlechtlichkeit im gleichen Atemzug wie Homosexualität und andere sexuelle Orientierungen zu nennen, ist inhaltlich falsch. Sie gehören in den Kontext von Geschlechtsentwicklung und -identität.
Außerdem wird anhand der Formulierungen im Runderlass deutlich, dass eine dichotome Geschlechterordnung postuliert wird. Es ist von "Schülerinnen und Schülern, Jungen und Mädchen" u.s.w. die Rede. Dabei werden Menschen, die biologisch und/oder psycho-sozial nicht eindeutig männlich oder weiblich sind oder sich nicht im dualen Geschlechtersystem verorten lassen wollen, völlig außer Acht gelassen."
Ants Kiel, Diplom-Pädagoge und Mitarbeiter des BBZ "lebensart" e. V. erklärt:
"Aspekte wie die Einbettung in einen weiten Gesundheitsbegriff, die Darstellung von Sexualität als eine positive Lebensenergie sowie das sexualpädagogische Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung wurden ausgebaut. Die Überbetonung von AIDS im zweiten Kapitel und die fehlende Berücksichtigung aktueller Entwicklungen zu HIV/STI sowie der Entschluss, kein eigenständiges Kapitel zu geschlechtlich-sexueller Identität zu verfassen, sind fragwürdig. Die Aussagen zu Geschlecht, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung bedeuten trotz Mängeln einen Fortschritt. Der Runderlass bietet eine Rahmenvorgabe, die Vielfalt geschlechtlich-sexueller Identitäten altersgerecht in verschiedenen Unterrichtsfächern zu behandeln, um Diskriminierungen vorzubeugen und abzubauen sowie Akzeptanz zu fördern."
Aktuelle Studien sowie unsere Erfahrungen belegen, dass sich Schulen mit den von uns angebotenen Kernthemen schwer tun - sei es aus Überforderung, Unsicherheit oder mangelnder Kompetenz. Der überarbeitete Runderlass bietet eine brauchbare Grundlage, Homo-, Trans-und Interphobie abzubauen sowie qualifizierte Angebote freier Träger in Schulklassen und die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften einzubeziehen.
Mit der Bildungsarbeit verfügt das BBZ "lebensart" über attraktive externe Angebote für Schüler*innen und Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt, welche fachliche Kompetenz, Qualitätsstandards, Authentizität und ständige Evaluation in sich vereinen.

Parlamentarische Versammlung des Europarates: Resolution zu Rechten von Trans*

Das am 1. April 2015 vom Parlament in Malta beschlossene "Gesetz über Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und Geschlechtsmerkmale" erlaubt den Einwohner*innen die rechtliche Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität ohne vorherige medizinische Diagnose, Behandlung oder Operationen sowie ohne Zwangsscheidungen.
Anders als Dänemark, das letztes Jahr als erstes europäisches Land die Namens- und Personenstandsänderung ohne medizinische Interventionen erlaubte, gibt das maltesische Gesetz hierfür kein Mindestalter und auch keine Wartezeit vor. Zudem enthält es ein Verbot von Operationen an intersexuellen Babys oder Kindern. Sie dürfen erst dann operativ einem Geschlecht zugeordnet werden, wenn sie ihr Einverständnis geben können. Damit ist Malta laut der International Lesbian and Gay Association das erste Land der Welt, das ein solches Verbot gesetzlich verankert.

Am 22. April 2015 hat sich die Parlamentarische Versammlung des Europarates mit deutlicher Mehrheit für die Durchsetzung und den Schutz der Rechte von Trans*-Personen ausgesprochen. In der Resolution fordert das Parlament von den Mitgliedsstaaten ein ausdrückliches Verbot der Diskriminierung von Trans*-Menschen sowie umfassende Maßnahmen, um deren Lebensbedingungen zu verbessern. Zu diesen gehöre, dass Personen "schnell und transparent" eine Änderung der Geschlechtsangabe und des Namens in offiziellen Dokumenten vornehmen lassen können. Dieses Verfahren solle allein auf der selbstbestimmten Entscheidung der jeweiligen Person beruhen - ohne Zwang zu vorherigen psychologischen Begutachtungen, medizinischen Behandlungen oder Operationen. Die Regierungen der Mitgliedsstaaten sollen dabei auch die Möglichkeit zur Eintragung eines dritten Geschlechts in Betracht ziehen.

Des Weiteren sollen Mitgliedsstaaten dafür sorgen, dass Trans*-Personen, einschließlich Kinder, durch nationale wie internationale medizinische Klassifizierungen nicht mehr als psychisch krank eingestuft werden. Dennoch müsse zugleich die Möglichkeit zur medizinischen Behandlung bestehen. Nicht zuletzt ruft das Parlament die Regierungen dazu auf, sich mit Kampagnen zum Abbau von Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität an die Öffentlichkeit zu wenden. Alle weiteren Informationen: http://blog.aidshilfe.de/2015/04/23/historische-resolution-fuer-die-rechte-von-trans-personen-verabschiedet/

Homosexualität: natürliche Orientierung, die keiner Therapie bedarf

Zum einem Zeitpunkt, wo über die Kontoverse zum Bildungsplan in Baden-Württemberg Vorurteile und Ressentiments gegenüber geschlechtlich-sexueller Vielfalt öffentlich Raum greifen, in der durch einen Verein in Sachsen-Anhalt Angebote zur "Heilung" von Homosexualität gemacht werden und in der in Russland nicht-heterosexuelle Lebensweisen offiziell verpönt und geahndet werden, ist eine Stellungnahme des Weltärztebundes von einiger Bedeutung.

Im Deutschen Ärzteblatt Ausgabe 2014, 111(6) gibt die Oberärztin an der Charité Berlin, Dr. med. Lieselotte Mahler (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Vorsitzende des DGPPN-Referats "Sexuelle Orientierung in Psychiatrie und Psychotherapie") erläuternde Ausführungen zur der auf der Generalversammlung im Oktober 2013 verabschiedeten Stellungnahme, die eine ärztlich-ethische Richtlinie darstellt.

Die zentrale und eindeutige Aussage lautet: Homosexualität gehört zur natürlichen sexuellen Orientierung und bedarf keiner Therapie.
Zudem wird aufgezeigt, dass direkte und indirekte Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung häufige Ursachen für psychische und physische Erkrankungen sind. Weiterhin lehnten die Delegierten des Weltärztebundes sogenannte Reparations- oder Konversionstherapien, also "Therapien", die ein heterosexuelles oder asexuelles Verhalten zum Ziel haben, strikt ab. Diese seien nicht nur unwirksam und unethisch, sondern hätten gravierende Negativfolgen für die Gesundheit.

Der Artikel von Frau Dr. Mahler und ein Link zur Stellungnahme findet sich hier:
http://www.aerzteblatt.de/archiv/153986/Sexuelle-Orientierung-Variationsvielfalt-jenseits-der-Pathologie