Aktuelles und Termine

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Mittwoch, 05. September 2018, 19.30 Uhr
Melanchthonianum, Hörsaal XV, Universitätsplatz 9, Halle (Saale)

Das Bundesverfassungsgericht hat am 17. Oktober 2017 entschieden, dass das Allgemeine Persönlichkeitsrecht und das Verbot der Diskriminierung wegen des Geschlechts auch die geschlechtliche Identität derjenigen schützt, die sich dauerhaft weder dem männlichen oder dem weiblichen Geschlecht zuordnen lassen. Ein Personenstandsrecht, dass neben dem männlichen und weiblichen Geschlecht keinen weiteren positiven Geschlechtseintrag zulässt, ist deshalb verfassungswidrig. Die Bundesregierung hat am 15. August 2018 einen höchst umstrittenen Gesetzesentwurf zur Umsetzung der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts beschlossen.
Das Podiumsgespräch soll vor diesem Hintergrund auf die Anliegen von intergeschlechtlichen Personen aufmerksam machen. Neben der Perspektive intergeschlechtlicher Personen, einer kritischen Bewertung des Gesetzesentwurfs der Bundesregierung und weiteren nötigen und möglichen Änderungen des Rechts sollen auch die Bedingungen der gesellschaftlichen Akzeptanz intergeschlechtlicher Lebensrealitäten thematisiert werden.
Am Podiumsgespräch nehmen teil:

Vanja, Beschwerdeführer*in vor dem Bundesverfassungsgericht, der*die gemeinsam mit dem Bündnis "Dritte Option" die Entscheidung erstritten hat
Dr. iur. Anja Schmidt, MLU Halle-Wittenberg, Legal Gender Studies mit einem Schwerpunkt zur rechtlichen Regulierung geschlechtlicher Identitäten
Ants Kiel, Dipl.-Pädagoge, Bildungsarbeiter und Fachberater zu geschlechtlich-sexueller Identität beim BBZ „lebensart“ e.V.
Moderation: Alexander Schwarz, Universität Leipzig

Veranstalter: Forum Legal Gender Studies MLU Halle-Wittenberg und BBZ "lebensart" e.V.

Ende Juni können wir nun etwas durchschnaufen: 66 Veranstaltungen vor allem an Schulen haben wir bislang 2018 durchgeführt. Das sind mehr als zum vergleichbaren Zeitraum des Vorjahres. Projekttage fanden an Schulen in Halle, Merseburg, Leuna, Hettstedt, Köthen und Bitterfeld statt, im April kamen vier 8. Klassen einer halleschen Sekundarschule ins BBZ "lebensart" e.V.

Gut nachgefragt sind auch unsere 90-Minuten-Workshops, die wir 2018 bislang in Halle, Gutenberg, Gröbers, Teutschenthal, Zöschen, Querfurt, Roitzsch, Wolfen und Magdeburg durchführten.

Einen Einblick in die Workshops gibt es hier.

Unser Mitarbeiter des Fachzentrums für geschlechtlich-sexuelle Identität, Ants Kiel (Dipl.-Päd.), bietet in Sachsen-Anhalt flexibel einsetzbare Vorträge an, die gern interaktiv gestaltet werden können. Technik (Beamer, Kabel, Laptop) wird komplett mitgebracht. Das Einsatzfeld der Vorträge ist breit: Für kleine und große Organisationen über Fachtage, Gliederungen von Parteien bis zu Einrichtungen der Altenhilfe.

Themen-Angebote sind:
- Geschlechtliche und sexuelle Vielfalt - Grundlagen, aktuelle Entwicklungen und gesellschaftspolitische Herausforderungen
- Geschlechtliche Vielfalt (Schwerpunkt: Inter- und Transgeschlechtlichkeit)
- Begehren und sexuelle Orientierungen (Schwerpunkt: nicht-heterosexuelle Lebensweisen)
- Bi- und Pansexualität - über das Begehren zwischen und jenseits der Pole Hetero- und Homosexualität
- Homosexualität und Gesellschaft in der DDR der 1970er und 1980er Jahre
- Queer-historischer Stadtrundgang durch Halle (DDR-Zeit bis zum CSD 1997)

Anfragen können über E-Mail (bildungsarbeit@bbz-lebensart.de) gestellt werden.

Am 31. Mai fand die turnusmäßige Mitgliederversammlung des BBZ "lebensart" e.V. statt. Nach den Berichten des Vorstandes und der Rechnungsprüfer sowie der Entlastung für das (trotz enger personeller Kapazitäten) erfolgreiche Jahr 2017 fanden Neuwahlen statt. Der alte Vorstand trat noch einmal geschlossen an und würde einstimmig gewählt: Hendrik Lange (Vorsitzender), Günter Heine (Stellvertreter), Astrid Altmann, Mirko Rische und Stefan Fiebig. Als Rechnungsprüfer wurden Lutz Machacek und Mathias Heine bestätigt.

An dieser Stelle eine Bitte: Wer unsere wichtige Arbeit und vielfältigen Angebote unterstützen möchte, kann dies gern als Mitglied tun. Satzung und Mitgliedsantrag finden sich hier.

Sendung des Offenen Kanals Merseburg-Querfurt

Zum Internationalen Tag gegen Homo-, Inter- und Transphobie (IDAHIT) fanden nicht nur in Halle Veranstaltungen statt. Unser Mitarbeiter Ants Kiel (Dipl.-Päd.) nahm an einer Podiumsrunde beim Offenen Kanal Merseburg-Querfurt teil. Er gab Auskunft über die Situation nicht-heterosexueller sowie trans- und intergeschlechtlicher Menschen und gewährte einen Einblick in seine Arbeit als Fachberater und Bildungsarbeiter.

https://www.youtube.com/watch?v=CmmjpJrUEbE

In der neuen Ausgabe der "homo sum - Quartalsblatt für geschlechtliche und sexuelle Vielfalt" des BBZ "lebensart" e.V. finden sich Informationen zum Projekt "Passt nicht, gibt’s nicht…typisch Halle" und zur Herausgabe des Trans*-Ratgeber sowie ein Beitrag über unsere 90-Minuten-Workshops mit jungen Leuten an einer Berufsschule. Abgerundet wird die „homo sum“ mit Kinderbuch-Empfehlungen und einem aktuellen Queer-Guide für Sachsen-Anhalt. Die Druckausgabe wird voraussichtlich ab 14.6. verteilt, online ist sie bereits hier zu lesen.

Erzähl uns DEINE Geschichte - Einsendeschluss: 30.6.2018

"Dein Leben gehört dir. Du gestaltest es. Du erschaffst es …". Eleanor Roosevelt
Trotz der vielen Jahre harter Arbeit für die Gleichstellung von Frau und Mann bleibt immer noch der bittere Nachgeschmack, dass bei genauem Hinsehen eine tatsächliche und aufrichtige Chancengleichheit noch lange nicht gegeben ist. Besonders die sozialen Rahmenbedingungen, die sich in der Zuschreibung von typischen Rollenbildern zeigen, sowie deren Wahrnehmung und allen voran deren gesellschaftliche Wertung erschweren nicht nur die Chancengleichheit, sondern auch die individuelle Entwicklung von Mädchen/Frauen und Jungen/Männern.

Das BBZ "lebensart" e.V. will mit seinem Projekt „Passt nicht, gibt’s nicht … typisch Halle“ einen aktiven Beitrag zum Aufbrechen der gesellschaftlich hartnäckig verankerten Rollenstereotypen leisten. Wir wollen Mädchen und Jungen darin bestärken, ihnen helfen, unabhängig von gesellschaftlichen Erwartungen und Zuschreibungen zu selbstbestimmten und selbstbewussten Frauen und Männern heranzuwachsen. Das BBZ "lebensart" e.V. sieht hierin eine ganz grundlegende Aufgabe seiner Arbeit, denn dort, wo keine starren und sinnfreien Rollenbilder herrschen, wird auch die Ausgrenzung gegenüber Menschen die „aus der Rolle fallen“ hoffentlich zunehmend kleiner werden.

Sei auch DU ein Vorbild für andere und erzähl uns DEINE Geschichte.
Alle Informationen gibt es hier und auf Facebook.

Auf den Weg! Von Rechtsgleichheit zur Akzeptanz

Das diesjährige Motto soll eine Aufforderung sein, nicht nachzulassen im Engagement für die Anerkennung von geschlechtlich-sexueller Vielfalt. Es verweist darauf, dass die Öffnung der Ehe für alle, die Rehabilitierung der Opfer der §§ 175 und 151 sowie das BVG-Urteil zum Geschlechtseintrag für intergeschlechtliche Menschen nicht das Ende von Diskriminierungen und Benachteiligungen bedeuten. Aktuelle Studien wie auch unsere Erfahrungen aus der alltäglichen Praxis belegen, dass wir noch längst nicht in einer Gesellschaft leben, in der Jede*r ohne Angst verschieden sein kann. Zudem gibt es auch im rechtlichen Bereich bedeutende Dinge, in denen weiterhin Benachteiligungen bestehen - wie die Ergänzung des Grundgesetzes um einen Diskriminierungsschutz in Bezug auf die geschlechtlich-sexuelle Identität oder eine Rechtsreform für transgeschlechtliche Menschen.

Leider mussten wir aufgrund des Sturms unseren für heute geplanten Neujahrsempfang absagen, zudem sich viele Unterstützer*innen sowie Menschen aus Politik und Zivilgesellschaft angemeldet hatten. Wir sagen DANKE für die vielfältige Unterstützung unserer Arbeit und bauen auch in diesem Jahr darauf.

Rechtliche Fortschritte in der Gleichstellung wie die Öffnung der Ehe für alle oder die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes zur Einführung eines Geschlechtseintrages für intergeschlechtliche Menschen bedeuten längst nicht das Ende von Homo-, Trans- und Interphobie sowie von Diskriminierung. Dies bestätigen sowohl aktuelle Studien wie auch die Erfahrungen aus der alltäglichen Praxis.

2017 war für das BBZ "lebensart" e. V. und sein Fachzentrum trotz enger personeller Kapazitäten ein erfolgreiches Jahr im Engagement gegen Diskriminierung, für die Akzeptanzförderung und Stärkung des Selbstbewusstseins von LSBTI.

Bilanz 2017 und Ausblick 2018 hier

Die gesellschaftliche Diskussion über passende Anreden von Personen in Bezug auf die Vielfalt des biologischen, seelischen und sozialen Geschlechts hat mit dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes vom 10.10.2017 an Fahrt gewonnen. Da uns Anfragen dahingehend erreicht haben, möchten wir folgende Empfehlungen geben:

Bei intergeschlechtlichen Menschen von einem "dritten Geschlecht" zu sprechen, halten wir für schwierig, weil es bei ihnen sehr verschiedene Varianten und biologisch-körperlich gesehen mehr Unterschiede als Gemeinsamkeiten gibt. Dies trifft auf das Selbstverständnis von nicht-binären bzw. transgeschlechtlichen Menschen ebenso zu. Von daher würden wir eher den Begriff "weitere/andere Geschlechter" wählen.

Bei Anreden wie Mitarbeiter*innen oder Freund_innen sind die Vielfalt an geschlechtlichen Selbstverständnissen bereits berücksichtigt, ebenso wie in Geschlechter-neutralen Anreden wie Teilnehmende oder Ehrenamtliche.
Als Anrede bei Veranstaltungen, in Briefen, E-Mails etc. schlagen wir vor:
- Sehr geehrte alle!
- Sehr Geehrte!

- Sehr geehrte Menschen!

Weitere Option: genereller Verzicht auf offiziellen Geschlechtseintrag

Der Antrag von Vanja aus Niedersachsen (unterstützt durch die Initiative "Dritte Option. Für einen dritten Geschlechtseintrag") auf Einführung eines Eintrages "inter/divers" wurde nach der Ablehnung dreier Vorinstanzen vom Bundesverfassungsgericht am 10.10.2017 positiv entschieden. Der Bundestag muss bis 31.12.2018 eine Neuregelung des Personenstandsrechts herbeiführen. Der Gesetzgeber könne auf einen "standesrechtlichen Geschlechtseintrag generell verzichten" oder "stattdessen auch für die betroffenen Personen die Möglichkeit schaffen, eine weitere positive Bezeichnung eines Geschlechts zu wählen, das nicht männlich oder weiblich ist". Der Bundestag muss dabei nicht einen Begriff aus dem Verfahren wählen.

Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes vom 10.10.2017

Beitrag von Stefan Schleim auf Spektrum.de

Zu unserem interdisziplinären Fachaustausch "Geschlechtlich-sexuelle Vielfalt - Update 2017" am 9.11.2017 konnten wir über 20 Personen aus verschiedenen Organisationen und interessierte Einzelpersonen im BBZ "lebensart" e.V. begrüßen. Wir möchten auch anderen Interessierten die Vorträge zugänglich machen und veröffentlichen hier jeweils die Präsentationen:

Vortrag Prof. Dr. Heinz-Jürgen Voß | Vortrag Simon Zobel

Vortrag Jonas Hamm | Vortrag Ants Kiel

Mit Bestürzung und Trauer haben wir vom Tod des Nestors der DDR-Schwulenbewegung und LSVD-Gründers, Eduard Stapel, erfahren. Nach Martin Pfarr und Klaus-Dieter Dehnert ist damit innerhalb kurzer Zeit eine weitere Person aus unserer Region von uns gegangen, die sich an zentraler Position für die Rechte und Akzeptanz von Homosexuellen in der DDR und später in ganz Deutschland engagiert hat. Der LSVD würdigt Eduard Stapel (von vielen auch "Eddi" genannt) in einem Nachruf.

In dankbarer Erinnerung bleiben uns zudem seine kritische aber immer konstruktiv-solidarische Begleitung des BBZ "lebensart" e.V. In seinem Heimat- und Wohnort Bismark (Altmark) führten wir erst vor einigen Wochen eine Fortbildung für Lehrkräfte der dortigen Grund- und Sekundarschule durch. Unsere Profilierung und Arbeit als Fachzentrum, verbunden mit einem gesellschaftspolitischen Anspruch und Wirken, fand in den letzten Jahren große Anerkennung bei Eddi Stapel.
Wir verneigen uns vor ihm und werden in seinem Sinne weiterarbeiten und uns engagieren. Foto: DER SONNTAG (Sachsen)

Das BBZ "lebensart" e.V. hat in die Wahlprogramme der Parteien geschaut, welche Chancen auf einen Einzug in den nächsten Bundestag haben und nach Aussagen zu geschlechtlich-sexueller Vielfalt gesucht.
Wir haben uns entschieden, auch Passagen aus dem AfD-Programm in die Übersicht aufzunehmen. Deren rückwärtsgewandte, ultrakonservative Positionen sprechen für sich - und gegen die Gleichstellung und Akzeptanz von LSBTI.

Auszüge aus Wahlprogrammen von CDU/CSU, SPD, DIE LINKE, GRÜNE, FDP, FDP

Das BBZ „lebensart“ e.V. begrüßt den Beschluss des Bundestages zur Öffnung der Ehe für alle ausdrücklich. Es ist ein großer Meilenstein zur (rechtlichen) Gleichstellung nicht-heterosexueller Menschen, für die sich auch unser Verein seit seiner Gründung 1990 einsetzt.

Rechtliche Regelungen wie das Diskriminierungsverbot in Bezug auf die sexuelle Identität im Grundgesetz und der Landesverfassung sowie zur Verbesserung der Lebenssituation von trans- und intergeschlechtlichen Menschen stehen jedoch weiterhin aus.
Die Realität in Deutschland zeigt zudem leider eine hohe Rate von Diskriminierung aufgrund der sexuellen Orientierung und geschlechtlichen Identität.

Die Öffnung der Ehe kann zur gesellschaftlichen Akzeptanz beitragen und Impulse geben: Deutschland als ein Land, in dem Vielfalt anerkannt und respektiert wird und jede*r ohne Angst verschieden sein kann. Bis dahin ist es aber noch ein langer Weg.

Die Öffnung der Ehe wird uns Rückenwind für unsere alltägliche Antidiskriminierungsarbeit in der Beratung, den Projekten und Gruppen, an Schulen und Einrichtungen geben - damit Toleranz und Akzeptanz in einem weltoffenen, vielfältigen Sachsen-Anhalt und Deutschland gelebt werden.

Die Nachfragen bei Veranstaltungen waren immer gleich: Wann gibt es endlich ein Kinderbuch, in dem sich zwei Prinzessinnen ineinander verlieben? Nun ist endlich das Pendant zum wundervollen Kinderbuch "König & König" erschienen - Barbara Müller/Ann-Kathrin Nikolov: Flora und der Honigkuss. Marta Press Verlag.

Darüber hinaus sind seit dem Jahr 2015 mehrere Kinderbücher erschienen.
Zu Intersexualität:
- Ursula Rosen: Jil ist anders. Salmo Verlag
Zu Transidentität:
- Rabea Jasmin Usling/Linette Weiß: Prinz_essin? Verler Chili-Verlag
- Jessica Walton: Teddy Tilly. Fischer Sauerländer Verlag.
- Cai Schmitz-Weicht/Ka Schmitz: Wie Lotta geboren wurde. Atelier Neundreiviertel
Zu gleichgeschlechtlicher Liebe und Regenbogenfamilien:
- Helene Düperthal: Mama + Mamusch: „Ich bin ein Herzenswunsch-Kind“. Lebensweichen-Verlag
- Cai Schmitz-Weicht/Ka Schmitz: Maxime will ein Geschwister. Atelier Neundreiviertel
- Ina Voigt Vogt/Jacky Gleich: Wie heiraten eigentlich Trockennasenaffen. kwasi Verlag
- Olivia Jones: Keine Angst in ANDERSRUM: Eine Geschichte vom anderen Ufer. Schwarzkopf & Schwarzkopf
Vielfalt umfassender:
- Michael Corda: Winsu - Das rosa Blütennilpferd. Books on Demand

Unsere Empfehlung (weitere Tipps: www.vielfalt-erfahrenswert.de) an Eltern und beruflich mit Kindern Arbeitende lautet: Informieren, kaufen und rein mit den neuen Büchern in die Kinderzimmer, Kindertagesstätten und Grundschulen. Das Ziel auch dieser Bücher ist, dass Vielfalt nicht als Bedrohung, sondern als Bereicherung erlebt wird. Niemand soll Angst haben, verschieden zu sein. Abwertung und Diskriminierung können so vorgebeugt werden.

In den letzten Jahren ist eine Vielzahl von Veröffentlichungen zu Transidentität und transgeschlechtlicher Menschen als Buch, Broschüre oder Film erscheinen. Diese können sowohl für trans*Menschen und Angehörige, für Fachkräfte und darüber hinaus am Thema Interessierte hilfreich sein. Wir möchten an dieser Stelle Broschüren empfehlen, die kostenfrei bei den Herausgebenden erhältlich und online zugänglich sind:
- vielbunt - queere Community Darmstadt e.V./AIDS-Hilfe Darmstadt e.V.: Trans*& Recht
- Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität dgti e.V.: Reformation für alle*. Transidentität/Transsexualität und Kirche

- Gerede e.V.: Trans* - Informationsbroschüre zum Thema Transidentität für Betroffene, Angehörige und Interessierte
- Jugendnetzwerk Lambda Bayern e.V.: Akzeptranz*. Arbeitshilfe für den Umgang mit transsexuellen Schüler*innen

Gutachten setzen Zeichen für Selbstbestimmung

Am 16. Februar 2017 nahm unser Mitarbeiter Ants Kiel auch am letzten und 4. Fachaustausch der Interministeriellen Arbeitsgruppe Inter- und Transsexualität in Berlin teil. Das Thema lautete "Geschlecht im Recht: gesetzliche Regelungsbedarfe zur Anerkennung und zum Schutz von geschlechtlicher Vielfalt". Dabei wurden zwei vom Bundesfamilienministerium beauftragte Rechtsgutachten vorgestellt und diskutiert.

Das von der Humboldt Universität zu Berlin erstellte Gutachten "Regelungs- und Reformbedarf für transgeschlechtliche Menschen" untersucht die Notwendigkeit, das inzwischen zu großen Teilen für verfassungswidrig erklärte Transsexuellengesetz zu reformieren beziehungsweise durch ein modernes Gesetz zu ersetzen. Das Gutachten evaluiert daher die Anwendung des Gesetzes in der Praxis, führt einen internationalen Rechtsvergleich durch und unterbreitet rechtliche Regelungsvorschläge.

Das vom Deutschen Institut für Menschenrechte (DIMR) erstellte Gutachten "Geschlechtervielfalt im Recht: Status Quo und Entwicklung von Regelungsmodellen zur Anerkennung und zum Schutz von Geschlechtervielfalt" evaluiert die Rechtsanwendung des im Personenstandsgesetz (§ 22 PStG) geregelten offenen Geschlechtseintrages: Kann ein Kind weder dem weiblichen noch dem männlichen Geschlecht zugeordnet werden, so ist der Personenstand ohne eine solche Angabe in das Geburtenregister einzutragen. Außerdem stellt das Gutachten im internationalen Rechtsvergleich die Frage, ob ein drittes festgelegtes Geschlecht im Personenstandsgesetz benötigt wird. Weiterhin werden Regelungsvorschläge zum Schutz und zur Anerkennung von Geschlechtervielfalt gemacht.

Beide Gutachten kommen zu dem Ergebnis, dass geltendes Recht für trans- und intergeschlechtliche Menschen nicht den aktuellen grund- und menschenrechtlichen Standards entspricht. Die Vorschläge sind so umfangreich, dass eine Zusammenfassung schwierig ist. Die Empfehlungen gehen in die Richtung entsprechender Gesetze in Malta, Argentinien bzw. nordeuropäischer Staaten.

Gut besuchter Neujahrsempfang am 19. Januar 2017

Die Mitarbeiter*innen des BBZ "lebensart" e.V. konnten zum traditionellen Neujahrsempfang am 19. Januar 2017 zahlreiche Vertreter*innen aus Politik und Gesellschaft begrüßen. So waren Abgeordnete des Landtages und Stadtrates, Vertreter*innen von kooperierenden Organisationen und weitere Interessierte gekommen, um sich über die Bilanz 2016 und Vorhaben für 2017 zu informieren.
Auf dem Neujahrsempfang wurden zum einen besorgniserregende Entwicklungen
zur Sprache gebracht. Das Schüren von Ressentiments gegen Minderheiten durch die AfD ist eine große Herausforderung für alle, die sich für eine offene Gesellschaft und Anerkennung von Vielfalt einsetzen.

2016 war für das BBZ "lebensart" e. V. und sein Fachzentrum aber auch ein erfolgreiches Jahr im Engagement gegen Diskriminierung, die Förderung von Akzeptanz und Stärkung des Selbstbewusstseins von LSBTI. Wir danken allen, die durch ihre Mitarbeit und Unterstützung diese starke Bilanz ermöglicht haben!

Unsere professionellen Angebote wurden 2016 stark nachgefragt. Beratungen wurden so häufig wie noch nie durchgeführt:

103 Beratungen gesamt (deutlicher Anstieg gegenüber den letzten Jahren)
- davon über die Hälfte mit Schwerpunkt Geschlechtsidentität/Transidentität (vor allem "Lotsen"-Beratung)
- davon 19 mit Schwerpunkt Sexuelle Orientierungen und Coming-out
- davon 7 mit Schwerpunkt Regenbogenfamilien
Die Aufklärungs- und Antidiskriminierungsarbeit konnte zum dritten Mal in Folge die Veranstaltungszahl von 100 überbieten. Die Zahlen für unser weiterhin einmaliges Bildungsangebot für Sachsen-Anhalt sprechen für sich:
105 Veranstaltungen mit 1684 Teilnehmenden
- davon 99 Veranstaltungen mit Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen
- davon 6 Veranstaltungen mit Multiplikaktor*innen

Die komplette Bilanz und der Ausblick finden sich in der Pressemitteilung vom 27.01.2017.

Die Äußerungen und Darlegungen der AfD Sachsen-Anhalt in den letzten Wochen und Monaten zum Anlass nehmend, will das Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität des BBZ "lebensart" e.V. einige Behauptungen aufgreifen und diesen die Fakten gegenüberstellen.

Behauptungen der AfD Sachsen-Anhalt und die Fakten

Unser Gründungs- und Ehrenmitglied Klaus-Dieter Dehnert ist am 24. Oktober im Alter von 70 Jahren verstorben.

Sein unermüdliches Engagement in der DDR im Arbeitskreis Homosexualität bei der Ev. Stadtmission und später im BBZ "lebensart" werden wir nie vergessen.

Seine stets an der Sache orientierte, engagierte und warmherzige Art waren kennzeichnend für seine außergewöhnliche Persönlichkeit. Klaus-Dieter, auch KDD genannt, war jemand, der für andere da war und sich nie in den Vordergrund geschoben hat.

Am 27. November 2016 nahmen wir mit einer Gedenkfeier Abschied von Klaus-Dieter Dehnert.

Motto: L(i)ebe die Vielfalt | Viele Veranstaltungen in Halle und Saalekreis

Bereits zum dritten Mal fanden in Deutschland die Hirschfeld-Tage statt. Das Motto sollte dabei nicht nur Leitspruch sein, sondern vor allem in Tagen wie diesen eine Aufforderung an alle - ein Appell an die Menschlichkeit. Von Mitte Oktober bis Mitte Dezember 2016 wurde in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einem vielseitigen Veranstaltungsangebot an den Sexualwissenschaftler und Mitbegründer der ersten deutschen Homosexuellenbewegung Dr. Magnus Hirschfeld erinnert. Die Hirschfeld-Tage greifen zeitgeschichtliche und aktuelle Themen rund um die Lebenswelten von lesbischen, schwulen, bisexuellen, trans- und intergeschlechtlichen und queeren Menschen (LSBTIQ) auf und sollen sie unter anderem der breiten Öffentlichkeit näher bringen.

Für Halle (Saale) und Saalekreis war das BBZ "lebensart" e. V., neben dem Dornrosa e. V., der Hauptveranstaltungspartner der Bundesstiftung Magnus Hirschfeld. Nach der Auftaktveranstaltung am 5. November in Erfurt fand in Halle und dem Saalekreis ein vielfältiges und abwechslungsreiches Programm mit spannenden Lesungen, Vorträgen, Workshops, Ausstellungen und Fortbildungen statt. Das BBZ "lebensart" e.V. organisierte mit verschiedenen Kooperationspartner*innen 19 Veranstaltungen.

Komplettes Programm BBZ "lebensart" e.V./Dornrosa e.V.

Weitere Informationen: http://mh-stiftung.de/hirschfeld-tage/

Erklärung des BBZ "lebensart": Gut bis Ungenügend

Nachdem im Jahre 2012 neue Rahmenrichtlinien für die Sekundarschulen in Kraft traten, werden derzeit neue Fachlehrpläne in den Gymnasien von Sachsen-Anhalt erprobt. Diese sind ein zentraler Baustein der Unterrichtsvorbereitung und -durchführung sowie der Erarbeitung von Schulbüchern. Das BBZ "lebensart" e.V., Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität, hat in den neuen Rahmenplänen recherchiert, inwieweit die Thematisierung der Vielfalt geschlechtlich-sexueller Identität erfolgt ist.
Die Ergebnisse der Recherche sind gut bis ungenügend. Positiv hervorzuheben ist der Lehrplan für Sozialkunde 10. Klasse. In anderen gibt es entweder keine Thematisierung oder Homosexualität wird abgekoppelt von Heterosexualität behandelt oder wie in Biologie zwischen Schwangerschaftsabbruch und sexuell übertragbaren Krankheiten platziert.

Stellungnahme | Rechercheergebnisse

In der Nacht zum 5. Juli 2016 wurde das BBZ "lebensart" e.V. durch einen Farbanschlag angegriffen und Fenster, Fassade sowie die Eingangstür mit schwarzer, klebriger Farbe besudelt. Es ist der massivste Angriff auf das Zentrum für Lesben, Schwule, Bisexuelle, trans- und intergeschlechtliche Menschen (LSBTI) sowie deren An- und Zugehörige seit Vereinsgründung im Jahr 1990.
Wir verurteilen den Angriff auf das Schärfste!

Selbstverständlich werden wir unsere Arbeit gegen Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität und sexuellen Orientierung und für die Akzeptanz verschiedener Lebensweisen im Bündnis mit anderen kontinuierlich fortsetzen. Unser Verein und das Fachzentrum bieten professionelle Beratungs- und Bildungsangebote für Sachsen-Anhalt und geben LSBTI und deren Zugehörigen einen geschützten Raum für Begegnung.

Der Vorstand und das Team des BBZ "lebensart" e. V. bedanken sich für die vielen aufmunternden Worte, die solidarische Anteilnahme und Angebote zur Unterstützung. Ein besonderer Dank geht an unseren Vermieter, der sich unverzüglich um die Beseitigung der Schäden gekümmert hat.

Auf seiner Sitzung am 15. Februar 2016 wurden durch den Landesjugendhilfeausschuss Sachsen-Anhalt einstimmig "Leitsätze für Diversität in der Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalts" beschlossen. Das BBZ "lebensart" e. V. war als Fachorganisation in die Erarbeitung einbezogen. Die Leitsätze haben empfehlenden Charakter und sollen dazu beitragen, Differenzlinien und damit verbundene Benachteiligungen sowie Diskriminierungen bewusster wahrzunehmen. Gleichzeitig soll die Entwicklung konkreter einrichtungsbezogener Handlungsmodelle angeregt werden. Das nun vorliegende Dokument orientiert sich am Allgemeinen Gleichbehandlungsgesetz (AGG) und an den Dimensionen der Vielfalt nach Gardenswartz und Rowe: "4 Layers of Diversity".
Der Landesjugendhilfeausschuss fasste folgenden Beschluss:
1. Der Landesjugendhilfeausschuss nimmt die Leitsätze zur Kenntnis und leitet sie als Empfehlung an die örtlichen und freien Träger der Kinder- und Jugendhilfe weiter.
2. Der Landesjugendhilfeausschuss wird in regelmäßigen Abständen die Leitsätze für Diversität sowie deren Umsetzung überprüfen sowie bei Bedarf Korrekturen oder Erweiterungen vornehmen.
(nach einem Bericht des KgKJH)
Link zum Dokument

BBZ "lebensart" begrüßt trotz einiger Leerstellen das Programm

Nachdem der Landtag von Sachsen-Anhalt im Januar 2015 einstimmig beschlossen hatte, die Landesregierung aufzufordern, ein rahmengebendes Aktionsprogramm für Sachsen-Anhalt zu erarbeiten, hat das Kabinett kurz vor Weihnachten 2015 ein solches Programm beschlossen. Es trägt den Titel "Aktionsprogramm für die Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Transgendern, Transsexuellen und intergeschlechtlichen Menschen (LSBTTI) in Sachsen-Anhalt". Das Programm umfasst 70 Maßnahmen in den Handlungsfeldern "Bildung und Aufklärung", "Öffentlicher Dialog", "Gewalt und vorurteilsmotivierte Kriminalität" sowie "Gesetzliche Grundlagen".

Das Aktionsprogramm wird vom BBZ "lebensart" e.V. ausdrücklich begrüßt. Neben exzellenten Kurz-Analysen zu verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen enthält das Programm viele konkrete Maßnahmen, die Akzeptanz befördern und Diskriminierungen abbauen können.
Wir verweisen aber auch darauf, dass im Maßnahmenkatalog konkrete Aussagen u. a. zu Fortbildungsangeboten für Lehrkräfte, zu LSBTI-Schulaufklärungsprojekten sowie zur Profilierung und Förderung von LSBTI-Fachorganisationen fehlen. Wir fordern, dass das Programm finanziell untersetzt sowie die Umsetzung und Ergänzung zügig in Angriff genommen wird. Aktuell sollte z. B. der Fokus den in Überarbeitung befindlichen Fachlehrplänen für Gymnasien gelten. Leider finden sich im neuen Lehrplan für Deutsch kaum Literaturempfehlungen, bei denen LSBTI im Mittelpunkt stehen.

Link zum Aktionsprogramm

Eine Chronologie von den 1990er Jahren bis Mitte 2015

Dem Kabinettsbeschluss vom Dezember 2015 gingen seit Mitte der 1990er Jahre viele Aktivitäten in Sachsen-Anhalt voraus (zur Vorgeschichte und Handlungskatalog von 1999). Im Jahr 2011 fasste der Lesben- und Schwulenpolitische Runde Tisch Sachsen-Anhalt den Entschluss, einen Aktionsplan zu erarbeiten. Im darauf folgenden Jahr wurde ein Entwurf vorgelegt, der auf einer gut besuchten Fachkonferenz am 15. März 2013 in Magdeburg vorgestellt und diskutiert wurde. Nachdem einige Änderungen und Ergänzungen vorgenommen wurden, beschloss der Runde Tisch am 9. September 2013 einen "Gesamtgesellschaftlichen Aktionsplan für Akzeptanz von Lesben, Schwulen, Bisexuellen, Trans* und Inter* (LSBTI) und gegen Homo- und Transphobie in Sachsen-Anhalt".

Der Aktionsplan wurde an die Politik weitergeleitet. Die Landtagsfraktionen DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN legten bereits im Mai 2013 einen gemeinsamen Antrag zur Implementierung und Umsetzung eines Aktionsplanes vor. Die Beratungen zogen sich aufgrund der unklaren Zuständigkeiten hin. Im Herbst 2014 erfolgte eine Klärung: zuständig für die Themenfelder sind nun das Ministerium für Justiz und Gleichstellung sowie der Landtagsausschuss für Recht, Verfassung und Gleichstellung. Eine Anhörung zum Antrag fand am 23.04.2014 statt, bei der auch unser Verein eine Stellungnahme vortrug.

Der Landtag von Sachsen-Anhalt hatte dann am 29. Januar 2015 einstimmig beschlossen, die Landesregierung aufzufordern, auf Grundlage des vom Lesben- und Schwulenpolitischen Runden Tisches erarbeiteten Aktionsplans ein sich auf alle Fachpolitiken des Landes beziehendes rahmengebendes Aktionsprogramm für Sachsen-Anhalt zu erarbeiten. Die angenommene Beschlussempfehlung findet sich hier: http://www.landtag.sachsen-anhalt.de/fileadmin/files/drs/wp6/drs/d3762vbe.pdf

Der Landtag konkretisierte damit einen entsprechenden Beschluss der Landesregierung vom Oktober 2014. Das Ministerium für Justiz und Gleichstellung des Landes Sachsen-Anhalt hat im Mai 2015 Katharina Scholz als Referentin mit dem Schwerpunkt der Erarbeitung und Umsetzung eines Aktionsprogrammes für Akzeptanz von LSBTI eingestellt.

Studie des Deutschen Jugendinstitutes vorgestellt

Am 6. November 2015 wurden im Bundesfamilienministerium Ergebnisse der bundesweiten Studie "Coming-out – und dann…?!", einem Forschungsprojekt des Deutschen Jugendinstitutes zur Lebenssituation von lesbischen, schwulen, bisexuellen und trans* Jugendlichen und jungen Erwachsenen, vorgestellt. Für die Untersuchung waren mehr als 5.000 junge Menschen im Alter von 14 und 27 Jahren befragt worden.

Ein zentrales Ergebnis ist, dass das innere Coming-out, also der Prozess der Bewusstwerdung und die Auseinandersetzung mit der eigenen sexuellen Orientierung oder geschlechtlichen Identität, häufig Jahre dauert und oft als belastend erlebt wird.
Viele LGBT-Jugendliche versuchen aus Sorge vor negativen Reaktionen ihrer Eltern und Geschwister, im Freundeskreis, in der Schule oder in der Ausbildung über einen längeren Zeitraum ihre "wahren Gefühle" zu unterdrücken oder zu verheimlichen.
Tatsächlich berichten viele der befragten Jugendlichen noch immer von Diskriminierungserfahrungen bis hin zu körperlicher Gewalt. So gaben rund zwei Drittel an, dass in ihrem engeren Familienkreis ihre sexuelle Orientierung oder Geschlechtsidentität nicht ernst genommen worden sei.

Knapp 17 Prozent erklärten, sie seien von Familienmitgliedern beleidigt, beschimpft oder lächerlich gemacht worden, drei Prozent berichteten von Gewalt aufgrund ihres Coming-outs. An Bildungs- oder Arbeitsstätten ist sogar jeder zehnte Jugendliche nach dem Coming-out körperlich angegriffen oder verprügelt worden; mehr als die Hälfte wurde wegen der sexuellen Orientierung oder Geschlechtsidentität beschimpft.


In der Studie werden auch konkrete Lösungsansätze vorgestellt, um Jugendlichen das Coming-out zu erleichtern. Neben dem Zeigen realistischer Vorbilder in den Medien, einer besseren Ausbildung von Lehrkräften oder besseren Beratungsangeboten empfehlen die Autoren auch eine rechtliche Gleichstellung von Schwulen und Lesben, etwa durch Öffnung der Ehe.
(nach einem Bericht von queer.de)

Im kommenden Jahr soll eine Buchpublikation veröffentlicht werden. Erste Ergebnisse der Studie finden sich hier:

http://www.dji.de/fileadmin/user_upload/bibs2015/DJI_Brosch%C3%BCre_ComingOut.pdf

BBZ "lebensart" sieht trotz Mängeln Fortschritte für Akzeptanzförderung

Im Schulverwaltungsblatt des Landes Sachsen-Anhalt Nr. 4/2015 vom 20.4.2015 wurde ein neuer Runderlass zur "Sexualerziehung an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen" (RdErl. des MK vom 15.4.2015 – 26-82113) veröffentlicht. Dazu erklärt das BBZ "lebensart" e. V., Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität:
Nachdem seit dem Jahr 2009 der bislang gültige Runderlass aus 1996/1998 evaluiert und externer Sachverstand einbezogen wurde sowie die Herausgabe eines neuen Runderlasses für 2013 angekündigt war, ist die Veröffentlichung nun überfällig.
Stefan Fiebig vom Vorstand des BBZ "lebensart" e. V. stellt fest:
"Positiv zu bewerten ist die Hervorhebung der Zusammenarbeit der Schule mit dem familiären Umfeld der Kinder, die Thematisierung der Medien und die explizite Empfehlung der Einbeziehung schulexterner Expert*innen. Ambivalent ist der Abschnitt zur geschlechtlich-sexuelle Identität zu betrachten. Inter- und Transgeschlechtlichkeit im gleichen Atemzug wie Homosexualität und andere sexuelle Orientierungen zu nennen, ist inhaltlich falsch. Sie gehören in den Kontext von Geschlechtsentwicklung und -identität.
Außerdem wird anhand der Formulierungen im Runderlass deutlich, dass eine dichotome Geschlechterordnung postuliert wird. Es ist von "Schülerinnen und Schülern, Jungen und Mädchen" u.s.w. die Rede. Dabei werden Menschen, die biologisch und/oder psycho-sozial nicht eindeutig männlich oder weiblich sind oder sich nicht im dualen Geschlechtersystem verorten lassen wollen, völlig außer Acht gelassen."
Ants Kiel, Diplom-Pädagoge und Mitarbeiter des BBZ "lebensart" e. V. erklärt:
"Aspekte wie die Einbettung in einen weiten Gesundheitsbegriff, die Darstellung von Sexualität als eine positive Lebensenergie sowie das sexualpädagogische Spannungsfeld zwischen Selbstbestimmung und Verantwortung wurden ausgebaut. Die Überbetonung von AIDS im zweiten Kapitel und die fehlende Berücksichtigung aktueller Entwicklungen zu HIV/STI sowie der Entschluss, kein eigenständiges Kapitel zu geschlechtlich-sexueller Identität zu verfassen, sind fragwürdig. Die Aussagen zu Geschlecht, Geschlechtsidentität und sexueller Orientierung bedeuten trotz Mängeln einen Fortschritt. Der Runderlass bietet eine Rahmenvorgabe, die Vielfalt geschlechtlich-sexueller Identitäten altersgerecht in verschiedenen Unterrichtsfächern zu behandeln, um Diskriminierungen vorzubeugen und abzubauen sowie Akzeptanz zu fördern."
Aktuelle Studien sowie unsere Erfahrungen belegen, dass sich Schulen mit den von uns angebotenen Kernthemen schwer tun - sei es aus Überforderung, Unsicherheit oder mangelnder Kompetenz. Der überarbeitete Runderlass bietet eine brauchbare Grundlage, Homo-, Trans-und Interphobie abzubauen sowie qualifizierte Angebote freier Träger in Schulklassen und die Aus- und Fortbildung von Lehrkräften einzubeziehen.
Mit der Bildungsarbeit verfügt das BBZ "lebensart" über attraktive externe Angebote für Schüler*innen und Lehrkräfte in Sachsen-Anhalt, welche fachliche Kompetenz, Qualitätsstandards, Authentizität und ständige Evaluation in sich vereinen.

Parlamentarische Versammlung des Europarates: Resolution zu Rechten von Trans*

Das am 1. April 2015 vom Parlament in Malta beschlossene "Gesetz über Geschlechtsidentität, Geschlechtsausdruck und Geschlechtsmerkmale" erlaubt den Einwohner*innen die rechtliche Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität ohne vorherige medizinische Diagnose, Behandlung oder Operationen sowie ohne Zwangsscheidungen.
Anders als Dänemark, das letztes Jahr als erstes europäisches Land die Namens- und Personenstandsänderung ohne medizinische Interventionen erlaubte, gibt das maltesische Gesetz hierfür kein Mindestalter und auch keine Wartezeit vor. Zudem enthält es ein Verbot von Operationen an intersexuellen Babys oder Kindern. Sie dürfen erst dann operativ einem Geschlecht zugeordnet werden, wenn sie ihr Einverständnis geben können. Damit ist Malta laut der International Lesbian and Gay Association das erste Land der Welt, das ein solches Verbot gesetzlich verankert.

Am 22. April 2015 hat sich die Parlamentarische Versammlung des Europarates mit deutlicher Mehrheit für die Durchsetzung und den Schutz der Rechte von Trans*-Personen ausgesprochen. In der Resolution fordert das Parlament von den Mitgliedsstaaten ein ausdrückliches Verbot der Diskriminierung von Trans*-Menschen sowie umfassende Maßnahmen, um deren Lebensbedingungen zu verbessern. Zu diesen gehöre, dass Personen "schnell und transparent" eine Änderung der Geschlechtsangabe und des Namens in offiziellen Dokumenten vornehmen lassen können. Dieses Verfahren solle allein auf der selbstbestimmten Entscheidung der jeweiligen Person beruhen - ohne Zwang zu vorherigen psychologischen Begutachtungen, medizinischen Behandlungen oder Operationen. Die Regierungen der Mitgliedsstaaten sollen dabei auch die Möglichkeit zur Eintragung eines dritten Geschlechts in Betracht ziehen.

Des Weiteren sollen Mitgliedsstaaten dafür sorgen, dass Trans*-Personen, einschließlich Kinder, durch nationale wie internationale medizinische Klassifizierungen nicht mehr als psychisch krank eingestuft werden. Dennoch müsse zugleich die Möglichkeit zur medizinischen Behandlung bestehen. Nicht zuletzt ruft das Parlament die Regierungen dazu auf, sich mit Kampagnen zum Abbau von Diskriminierung aufgrund der Geschlechtsidentität an die Öffentlichkeit zu wenden. Alle weiteren Informationen: http://blog.aidshilfe.de/2015/04/23/historische-resolution-fuer-die-rechte-von-trans-personen-verabschiedet/

Homosexualität: natürliche Orientierung, die keiner Therapie bedarf

Zum einem Zeitpunkt, wo über die Kontoverse zum Bildungsplan in Baden-Württemberg Vorurteile und Ressentiments gegenüber geschlechtlich-sexueller Vielfalt öffentlich Raum greifen, in der durch einen Verein in Sachsen-Anhalt Angebote zur "Heilung" von Homosexualität gemacht werden und in der in Russland nicht-heterosexuelle Lebensweisen offiziell verpönt und geahndet werden, ist eine Stellungnahme des Weltärztebundes von einiger Bedeutung.

Im Deutschen Ärzteblatt Ausgabe 2014, 111(6) gibt die Oberärztin an der Charité Berlin, Dr. med. Lieselotte Mahler (Fachärztin für Psychiatrie und Psychotherapie, Vorsitzende des DGPPN-Referats "Sexuelle Orientierung in Psychiatrie und Psychotherapie") erläuternde Ausführungen zur der auf der Generalversammlung im Oktober 2013 verabschiedeten Stellungnahme, die eine ärztlich-ethische Richtlinie darstellt.

Die zentrale und eindeutige Aussage lautet: Homosexualität gehört zur natürlichen sexuellen Orientierung und bedarf keiner Therapie.
Zudem wird aufgezeigt, dass direkte und indirekte Diskriminierung und Stigmatisierung von Menschen aufgrund ihrer sexuellen Orientierung häufige Ursachen für psychische und physische Erkrankungen sind. Weiterhin lehnten die Delegierten des Weltärztebundes sogenannte Reparations- oder Konversionstherapien, also "Therapien", die ein heterosexuelles oder asexuelles Verhalten zum Ziel haben, strikt ab. Diese seien nicht nur unwirksam und unethisch, sondern hätten gravierende Negativfolgen für die Gesundheit.

Der Artikel von Frau Dr. Mahler und ein Link zur Stellungnahme findet sich hier:
http://www.aerzteblatt.de/archiv/153986/Sexuelle-Orientierung-Variationsvielfalt-jenseits-der-Pathologie