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BBZ "lebensart" e.V. Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität

Beesener Straße 6
06110 Halle (Saale)

bbz@bbz-lebensart.de

Telefon: 0345-2023385

Geschichte des Vereins

Am Abend des 29. November 1990 saßen in den Räumen des Deutschen Freidenker-Verbandes im ComCenter in Halle (Saale) Männer verschiedenen Alters an einem Tisch und gründeten den Verein Begegnungs- und Beratungs-Zentrum "lebensart".

Die Vorgeschichte

Auf dem Evangelischen Kirchentag im Juni 1983 in Eisleben entstand die Idee, einen Arbeitskreis Homosexualität in der Mansfelder Region zu etablieren. Nach mäßig besuchten Treffen in Eisleben, einer Zwischenstation (seit Mai 1984) in der Paulus-Gemeinde in Halle, traf sich seit Mai 1985 alle 14 Tage freitags eine wachsende Zahl von Teilnehmenden in der Evangelischen Stadtmission zu offenen und Themenabenden. Das Bestreben einer nicht-kirchlichen Anbindung konnte nach langjährigem Widerstand von staatlichen Organen erst 1989 Gestalt annehmen. Im Januar 1990 fand in einem Jugendklub in Halles Innenstadt das erste Arbeitskreis-Treffen statt. Parallel dazu gab es auch Aktivitäten außerhalb dieses Arbeitskreises, welche in der Gründung der Arbeitsgruppe "Toleranz" im Oktober 1989 mündeten, die ebenso Veranstaltungen und Aktivitäten durchführte. Von Beginn an gab es zwischen beiden Arbeitskreisen eine Kooperation, so dass im Frühjahr die Idee entstand, ein gemeinsames Dach, ein Zentrum in Halle zu schaffen. Unter Federführung von Utz Lohrengel (der parallel auch die AIDS-Arbeit intensivierte) und Klaus-Dieter Dehnert wurde die Vereinsgründung voran getrieben, die dann an jenem 29. November 1990 vollzogen wurde.

Die Jahre 1991 bis 1993

Nach einer Übergangslösung als Treff in der Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen konnten als Gemeinschaftsprojekt mit der AIDS-Hilfe Halle in der (inzwischen abgerissenen) Magdeburger Straße 34 eigene Räumlichkeiten bezogen werden. Die Traditionen thematischer Abende am Freitag und von Ausflügen wurden beibehalten, hinzu kamen ein offenes Café, eine Bibliothek, das Schulprojekt (seit Januar 1991), die Schwul-Lesbischen Filmtage (seit 1992) und die Zeitschrift "homo sum" (seit März 1993). Auch Partys fanden in Kooperation mit dem Verein statt: die Disco in der Schorre (bereits seit 4.6.1989), im Studentenklub "Heimleuchte" (Scheibe A in Halle-Neustadt), im (inzwischen abgerissenen) Klubhaus Ammendorf und dem Jugendklub Silberhöhe. Aufgrund der Erweiterung der AIDS-Hilfe und der Gründung des S.C.H.I.R.M.-Projektes rückten Räume ausschließlich für den Verein ins Blickfeld. Im Sommer 1993 erfolgte dann der Umzug in den Joliot-Curie-Platz 29/30.

Die Jahre 1993 bis 2000

Diese Jahre setzten vor allem im Bereich Begegnung und Beratung neue Akzente und Angebote – auch dank von HauptamtlerInnen wie der Koordinatoren- Stelle und zeitweiligen ABM-MitarbeiterInnen. Bis 1995 konnten so die Öffnungszeiten auf fast täglich erweitert werden. Ab 1994 wurden die Beratungsangebote um eine anonyme Telefonberatung erweitert und ein ComingOut-Projekt, in dessen Rahmen sich erstmals eine Jugendgruppe traf, startete. Vielfältige Veranstaltungen fielen in diese Zeit: zu den Filmtagen kamen eine "Filmklappe", Lesungen, Kochen in der Villa Jühling und zunehmend (wieder) politische Tätigkeit auf Stadt- und Landesebene. Gleich nach dem Umzug 1997 in die Schmeerstraße 22 stand dann einer der Höhepunkte an, bei dem das BBZ "lebensart" die Hauptlast der Organisation und Durchführung hatte: der erste Christopher Street Day in Halle – mit einem bunten Marktfest, einer Demonstration durch Halles Innenstadt, einer politischen Diskussion mit 80 Leuten und abendlicher Party im Künstlerhaus 188.

Die Jahre 2000 bis 2009

Highlights in diesen Jahren waren zweifellos die acht SchwuLesBischen Straßenfeste, welche der Verein seit 2001 in Eigenverantwortung organisierte. Die Feste fanden bis 2008 auf dem Alten Markt statt, mit Ausnahme 2004 auf dem Hallmarkt – im Jahr zuvor bezog das BBZ "lebensart" Räume im Hinterhaus der Oleariusstraße 9. Sehr aktiv in diesen Jahren waren die Lesbengruppe und die Jugendgruppe, die vielfältige Aktivitäten entwickelten. Die Golden Gays (Treff für schwule Männer über 40) erlebten Mitte der 2000er ihre Blüte. Auch das Aufklärungsprojekt intensivierte seine Aktivitäten, konzeptionelle Arbeit wurde geleistet und im Jahr 2004 gab es eine Kooperation mit dem Frauenzentrum Weiberwirtschaft.

Seit 2009

"Komm! Ins Offene" – so lautete das Motto des internationalen Theaterfestivals, welches 2008 in Halle stattfand. Aktive aus dem Verein kamen vom Zentren-Treffen aus dem Waldschlösschen mit einer Idee zurück – im April 2009 bezog der Verein dann getreu des Mottos Räume in einem Ladenlokal in der Beesener Straße 6. Neu im Jahr 2009 war die gleichberechtigte Kooperation aller vier queeren Vereine in Halle, gemeinsam einen CSD zu veranstalten – er fand bei bestem Wetter und guter Resonanz auf dem Marktplatz statt. Trotz weiterer Kürzungen der staatlichen Zuwendungen konnten ab 2009 auch dank der neu geschaffenen Kommunal-Kombi-Stellen die Angebote der Bildungsarbeit und Infothek erweitert werden.

Profilierung zum Fachzentrum für geschlechtlich-sexuelle Identität

Auf einer Klausur im Jahre im Jahre 2011 wurden die Ziele und Angebote des Vereins auf den Prüfstand gestellt. Es wurde entschieden, den Fokus noch mehr auf die Angebote zu legen, an denen Nachfrage/Bedarf besteht und welche auch von unseren Zuwendungsgebern annerkannt und gefördert werden. Dies sind die Bereiche Beratung, Bildungsarbeit, Fachinformationen, Fachveranstaltungen, Projekte und Gruppen. Nach außen drückt sich die Profilierung im Untertitel unseres Vereins aus.

Wir danken an dieser Stelle allen, die in unserem Verein und Fachzentrum aktiv waren und sind - und auch jenen, die unsere Arbeit darüber hinaus auf vielfältige Weise unterstützen!